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Wiener Festwochen

Intendant Slagmuylder verlässt die Wiener Festwochen

(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Die Wiener Festwochen werden bereits mit 2024 eine neue Leitung bekommen. Christoph Slagmuylder geht nach Brüssel.

Die Wiener Festwochen brauchen früher als gedacht einen neuen Intendanten: Christoph Slagmuylder, seit der Ausgabe 2019 für das Festival verantwortlich, verlässt die Festwochen bereits kommendes Jahr. Der Belgier übernimmt das renommierte Kulturzentrum Bozar in seiner Heimatstadt Brüssel. Eigentlich wäre die aktuelle Ausschreibung für die Festwochen-Intendanz ab der Ausgabe 2025 noch bis Freitag gelaufen. Slagmuylder hatte zuvor angekündigt, sich wieder bewerben zu wollen.

"Ich verlasse die Wiener Festwochen schweren Herzens", vorverabschiedete sich der 55-jährige Slagmuylder, der die Festwochen 2023 noch programmieren wird, in einer Aussendung. Man werde die Ausschreibung nun neu aufsetzen und wiederholen, kündigte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) an und deutete den verfrühten Abgang des Intendanten als positives Zeichen: "Die Bestellung von Christophe Slagmuylder ans Bozar zeigt, wie die Wiener Festwochen über die Grenzen des Landes hinaus als urbanes zeitgenössisches Festival und kultureller Leuchtturm strahlen."

Slagmuylder, der nach der Ausgabe 2018 zunächst als interimistischer Ersatz für Kurzzeitchef Tomas Zierhofer-Kin nach Wien gekommen war und später ab 2020 einen Fünfjahresvertrag als Festwochen-Intendant erhielt, wurde 1967 in Brüssel geboren und studierte in seiner Heimatstadt Kunstgeschichte. Als Lehrender widmete er sich u.a. visueller Theorie, wobei er ab Mitte der 1990er auch im Bereich darstellende Kunst für Kunstschaffende und Kunstzentren in Brüssel tätig war. Zu jener Zeit war er auch Assistent der künstlerischen Leitung am Theatre Les Tanneurs in Brüssel.

Der nächste große Karriereschritt folgte 2002, als er dem Programmteam des Kunstenfestivaldesarts in der belgischen Hauptstadt beitrat. Dort machte er sich als Festivalkurator einen Namen und folgte schließlich 2007 Frie Leysen als Künstlerischer Leiter. Seine Leistungen wurden schließlich auch mit dem Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich belohnt. Für 2020 war er dann für die Leitung des "Theaters der Welt" vorgesehen, doch wurde Slagmuylder von diesem Engagement letztlich entbunden, um dem Ruf aus Wien zu folgen.

Zu einem Antritt hatte sich Slagmuylder vorgenommen, der aus seiner Sicht vorherrschenden Polarisierung zu begegnen: "Es ist eine sehr exkludierende Zeit, auch was die Kunstformen betrifft. Ich bin gegen diese Idee der Oppositionen. Wir sehen das ja auch in der Politik. Aber wir müssen wieder zu mehr Komplexität finden." Programmatisch schlug sich diese Maxime mit einem starken Fokus auf Tanztheater und Performancekultur nieder, mit dem die Festwochen gleichsam den kurz nach ihnen stattfindenden ImPulsTanz konkurrenzierten.

Festwochen-Intendanz seit 1951

1951 bis 1958 lag die Programmgestaltung beim Veranstaltungsreferat des Kulturamtes der Stadt Wien und damit bei Oberamtsrat Adolf Ario.

1958 war Rudolf Gamsjäger als künstlerischer Leiter verantwortlich.

1960 bis 1964 leitete Egon Hilbert die Festwochen erstmals unter dem Titel Intendant.

1965 bis 1977 war Ulrich Baumgartner Intendant der Festwochen.

1978 bis zu seinem Tod 1979 war Gerhard Freund Intendant.

1980 bis 1984 wurden die Festwochen durch ein vielköpfiges Programmdirektorium geführt (u.a. mit Helmut Zilk, Jörg Mauthe, Hans Landesmann und Sir Rudolf Bing).

1984 bis 1987 war Ursula Pasterk Festwochenintendantin.

1987 bis 1991 lag die Funktion der Intendanz interimistisch (und ohne Bezüge) bei Kulturstadträtin Ursula Pasterk.

1991 bis 1996 war der spätere Burgtheaterdirektor Klaus Bachler Intendant.

Seit 1997 lag die künstlerische Verantwortung bei einem Dreierdirektorium mit Luc Bondy (Theater), Klaus-Peter Kehr (Musiktheater) und Hortensia Völckers (Tanz und Sonderprojekte).

2002 übernahm Luc Bondy die alleinige künstlerische Verantwortung, sein Vertrag wurde dreimal verlängert. Für das Schauspiel war ab 2001 Marie Zimmermann verantwortlich, ihr folgte 2008 Stefanie Carp, die bereits 2005 für ein Karenzjahr Zimmermanns das Schauspiel programmiert hatte. 2002 bis 2004 war Hans Landesmann für das Musikprogramm verantwortlich, 2005 übernahm Stephane Lissner die Funktion des Musikdirektors.

Nach 2014 stand Markus Hinterhäuser als Intendant an der Spitze der Wiener Festwochen. Seine ursprünglich designierte stellvertretende Intendantin und Chefkuratorin Shermin Langhoff legte ihre Funktion im Sommer 2012 - ein Jahr nach der Bekanntgabe - zurück, an ihre Stelle trat die Belgierin Frie Leysen als Schauspieldirektorin. Sie absolvierte lediglich die erste Ausgabe und gab ihren Rückzug bereits vor Beginn der ersten Saison Hinterhäusers bekannt. 2015 und 2016 gab es mit Stefan Schmidtke im ersten Jahr und Marina Davydova im Folgejahr zwei "Programmkuratoren".

Mit den Festwochen 2017 übernahm der erfolgreiche donaufestival-Intendant Tomas Zierhofer-Kin, Hinterhäuser durch viele erfolgreiche gemeinsame Jahre beim "zeitfluss"-Festival in Salzburg und der Programmreihe "zeit_zone" bei den Wiener Festwochen verbunden. Nachdem seine erste Festivalausgabe unter harte Kritik geriet, kündigte er seine Kuratoren Johannes Maile und Nadine Jessen und stellte sein Dramaturgieteam neu auf. Einen Tag nach Ende der zweiten Festivalausgabe 2018 wurde von der neuen Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) die einvernehmliche Auflösung seines an sich für drei weitere Jahre laufenden Vertrags bekannt gegeben.

Bereits eine Woche nach dem Rückzug Zierhofer-Kins wird der Name des neuen, zunächst interimistischen Leiters bekannt: Der Belgier Christophe Slagmuylder, Chef des renommierten Kunstenfestivaldesarts in Brüssels, verantwortet das Programm der Wiener Festwochen ab 2019. Nachdem Slagmuylder bei der regulären Ausschreibung dann als Sieger hervorgeht, ist sein Vertrag eigentlich bis einschließlich 2024 fixiert. Aber auch Slagmuylder erfüllt wie so mancher Vorgänger diesen nicht zur Gänze, sondern wird sich nach dem Festival 2023 gen Brüssel verabschieden.