Dem Ex-Präsidenten des Fußballklubs DSV Leoben wird schwerer Betrug vorgeworfen. Es geht um 30 Mio. Euro. Auch Fußballer Roland Linz ist in der Anklageschrift erwähnt. Er ist nun der Arbeitgeber seines Onkels.
Wien. Die Causa rund um die pleitegegangene Finanzgruppe AvW hat nun auch eine Anklage gegen den früheren AvW-Invest-Vorstand Hans Linz gebracht. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt wirft dem Expräsidenten des Fußballklubs DSV Leoben Betrug und betrügerische Krida vor. Der für seinen luxuriösen Lebensstil bekannte Geschäftsmann habe Anleger um 30 Mio. Euro betrogen, so der zuständige Staatsanwalt Gottfried Kranz.
Die Klageschrift bringt eine Reihe von pikanten Details zum Vorschein. So habe Linz mehr als zehn Jahre lang Kundengelder in bar angenommen. Den Anlegern habe der für den Vertrieb zuständige Vorstand weisgemacht, Papiere der Finanzgruppe AvW zu kaufen. Tatsächlich habe er die ihm überlassenen Vermögenswerte „für sich selbst vereinnahmt“. Der Staatsanwalt unterstellt Linz deshalb „systematische Täuschung“.
Die AvW-Gruppe rund um Wolfgang Auer-Welsbach musste Anfang Mai Konkurs anmelden. Der Rückkauf von Genussscheinen musste ausgesetzt werden. 12.500 Anleger sind betroffen. Der Gesamtschaden dürfte sich auf 450 Mio. Euro belaufen. Auer-Welsbach sitzt in U-Haft. Ihm werden unter anderem Bilanzfälschung und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Betrogene Anleger können ihre Forderungen bis zum 30. April 2011 anmelden. Diese Frist wurde am Dienstag verlängert.
Welcher Betrag aus dem Vermögen des nun angeklagten Linz für betroffene Anleger sichergestellt werden kann, ist ungewiss. Linz hat Privatkonkurs angemeldet. Laut Anklage flossen zwölf Mio. der 30 Mio. Euro, die Linz von Anlegern kassiert hatte, in den Fußballklub DSV Leoben. Der Verein ist mittlerweile ebenfalls insolvent. Linz habe die Gelder dem Klub „ohne adäquate Gegenleistung“ überlassen.
Angeklagter fährt im Mercedes
„Fehlen immer noch 18 Mio. Euro“, beschwert sich Anlegeranwalt Michael Bauer im Gespräch mit der „Presse“. Der Jurist bezweifelt, dass die Mehrheit des Geldes sichergestellt wird. Er kritisiert, dass die Anklage nicht in Klagenfurt, sondern beim Bezirksgericht in Leoben eingebracht wurde. „Jene Behörde, die sich seit Monaten damit beschäftigt, gibt die Sache nun ab. Das kann den Verfahrensweg nur verlängern.“
Ebenfalls in der Anklageschrift erwähnt – nicht als Beschuldigter – ist der Fußballer Roland Linz, der Neffe des Angeklagten. Der Sportler habe 2009 eine Weinbar im Wert von 160.000 Euro von seinem Onkel übernommen und ihm im Gegenzug ein Darlehen von 120.000 Euro gewährt. „Schaden: zumindest 40.000 Euro“, folgert der Staatsanwalt. Roland Linz ist mittlerweile Arbeitgeber von Hans Linz. Dieser ist laut Firmenbuch Geschäftsführer der Roland Linz GmbH, eines Unternehmens, das u. a. in der Vermögensberatung tätig ist. „Deshalb fährt Hans Linz trotz Privatkonkurses einen Mercedes“, sagt Bauer. Manfred Buchmüller, der Anwalt von Linz, bestreitet das nicht. „Stimmt, aber der Wagen ist im Besitz der Roland Linz GmbH.“ Die in der Anklage vorgebrachten Vorwürfe bestreitet er. Linz habe die Anleger nicht betrogen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2010)