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Durchdacht

Von Raumgefühl und Lebenswelt

Mit Farben arbeiten, Zonen schaffen, mit Möbeln strukturieren.(c) Smartvoll
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Auf die Planung kommt es an: von Grundrissen übers Home-Office bis hin zum Licht.

Intelligente Grundrisse, clevere Verdichtungsformen, vernünftiger Umgang mit Ressourcen: Philipp Buxbaum, Partner des Wiener Architekturbüros Smartvoll, umreißt mit diesen Punkten die wichtigsten Anforderungen, die smarte Wohnraumplanung heute zu erfüllen hat. „Weniger Quadratmeter bei besserer Nutzung“, so lautet das Credo.
Das beginnt im Großen, beim Hin zu nachhaltigeren Bebauungen wie Mehr- und Reihenhäusern, weg vom Einfamilienhaus mit Garage und Garten rundherum, das Fläche und Energie fresse. „Planung ist das A und O“, sagt er, das betreffe genau wie die Bebauung unseres Lebensraums auch die Konzeption der Wohnräume, die Grundrisse. Bei optimierter Planung sei es möglich, „dass etwa 160 Quadratmeter weit mehr Raumgefühl geben als 200 Quadratmeter“.

Buxbaum plädiert hier für „nutzungsoffene Layouts“, loftartige Grundrisse, die sich verschiedenen Lebenssituationen anpassen können – sei es, dass sich eine Familie vergrößert oder mehr im Home-Office gewerkt wird, sei es, dass die Kinder aus dem Haus sind. Dafür brauche es eben nicht unbedingt riesige Flächen, auch bei kleineren Objekten von 60, 70 Quadratmetern gibt es Möglichkeiten. Und das müssen keine Rigipswände sein, die zwar schnell zusätzliche Zimmer schaffen, „aber oft kleine, enge, schlauchartige Kammern“ entstehen lassen.

„Weniger Quadratmeter verbrauchen, diese dafür besser nutzen!“

Philipp Buxbaum, Smartvoll



Eine interessante Alternative könne sein, Wände ganz zu entfernen und „mit raumbildenden Möbeleinheiten Wohnflächen ohne starre Zuordnungen zu bilden“, sagt der Architekt. „So kommt es zu eigenen Küchen- oder Badbereichen sowie speziellen Zonen zum Wohnen und Schlafen, ganz ohne Wände und abgetrennte Zimmer.“ Das könne gestaltungstechnisch spannend aussehen, „ist aber mit Kindern nicht immer besonders gut geeignet“, schmunzelt Buxbaum.

Für eine modulare Mischnutzung, etwa von Arbeits- und Wohnraum, spricht sich auch Martin Haller, Gründer des Wiener Architekturbüros Caramel aus. „Durchmischung ist gefragt!“, betont er. Der klassische Gedanke „Wohnraum braucht Ruhe“ ist für ihn ein falscher Ansatz, die Trennung von Arbeit und Wohnen sei eine Entwicklung, die in den 1960ern entstanden sei. Der – pandemiebedingte – Trend zum Home-Office habe da neue Akzente gesetzt, aber natürlich auch Gefahren mit sich gebracht. Die Problematik sei, dass Rückzugsmöglichkeiten verloren gingen und „eine klare Differenzierung von Arbeitswelt und Privatsphäre“ schwierig werden. Helfen könne hier ein optimiertes Zeitmanagement, beispielsweise indem man Räume zwar teils etwa als Büro beziehungsweise zum Schlafen nütze, „aber zu fix bestimmten Zeiten“.

Buchtipp

Im Buch „Arbeiten in aneigenbaren Lebenswelten“ beschäftigen sich die Caramel-Architekten (Martin Haller, Ulrich Aspetsberger und Günter Katherl) intensiv mit dem Thema Office, mit den Bedürfnissen von Büronutzern, baulichen Strukturen und dem äußeren Erscheinungsbild von Bürogebäuden.

Gezeigt werden auch zahlreiche Fallbeispiele, außerdem gibt es Exkurse zu Bürobauten aus der Geschichte und zur aktuellen Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten.

Home und Office

Voraussetzung für ein solch flexibles Wohnen seien auch neutrale Raumgrößen, „nicht zu schmal und nicht zu klein“, damit etwa Kasten, Bett und Schreibtisch gut integriert werden können. Die Wohn-Ess-Zone bietet sich ebenfalls als Arbeitsbereich an, „jedoch ist auch hier das zeitliche Abstimmen ausschlaggebend, sonst bleibt nichts Privates übrig. Das Home-Office ist praktisch – solange es nicht zu Dauerarbeit führt.“

Haller hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt – und mit den beiden Caramel-Mitgründern Ulrich Aspetsberger und Günter Katherl ein Buch dazu verfasst. Die zentrale These darin: Der Bereich Arbeit müsse in eine „individuell aneigenbare Lebenswelt transformiert werden“, der Begriff Lebenswelt wird dabei als Summe mehrerer, uns umgebender Bereiche wie Wohnen, Arbeit, Bildung oder Freizeit verwendet. „Räume sollten aus verschiedenen Modulen bestehen, die zum Beispiel soziale Komponenten oder Rückzugsmöglichkeiten berücksichtigen“, erklärt Haller.

Licht und Planung

Eine wichtige Rolle bei der Planung und Gestaltung gerade bei Wohnflächen, die mit unterschiedlichsten Funktionen belegt sind, spielt das Licht – und am besten eine dynamische, weiß Andrea Graser, Wiener Architektin und Lichtdesignerin: „Die ideale Farbtemperatur einer dynamischen Lichtquelle passt sich unterstützend je nach Tages- und Jahreszeit dem Biorhythmus an“, erklärt sie. Hier gibt es bereits interaktive Systeme und Nutzungskonzepte, die immer öfter zum Beispiel in Büroräumlichkeiten eingesetzt werden.

„Es existieren schon hochwertige Produkte, deren Lichtqualität fast so gut wie jene des Sonnenlichts ist und sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirken.“ Es fände bereits eine Sensibilisierung statt, allerdings werden die Konzepte noch selten eingesetzt, was Graser speziell für den Schulbereich bedauert.

Für den privaten Bereich findet die Expertin beispielsweise LED-Lampen sinnvoll, die man über das Smartphone in Sachen Farbtemperatur und Qualität des Lichts steuern kann. „Idealerweise sollte die Quelle des Lichts versteckt sein, sodass es aus verschiedenen Richtungen den Raum durchfluten kann“, erklärt Graser weitere Faktoren der Lichtplanung. „Der Raum tritt erst durch das Licht überhaupt in Erscheinung, Licht ist das Material, das Fläche und Architektur erzeugt“, ist die Expertin überzeugt.

Leben und Lager

Insgesamt bemerkt Buxbaum ein „immer stärker werdendes Bewusstsein für Sinnhaftigkeit, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Auch in der Architektur gebe es die Bewegung hin zum Minimalismus, weg vom Konsumzwang. Eine Tendenz, die er sehr begrüßt. „Wohnungen sollen mehr als nur ein Lager für Möbel sein, wir möchten schließlich Lebensqualität erhöhen, nicht die Zahl der Lagerflächen.“