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Blick ins Wohnzimmer mit Blumen, Büchern und Wollkorb (unten).
Wohngeschichte

"Das Leben ist zu kurz für Beige"

Minimalismus hat im Zuhause der Oochi-Poochi-Gründerin Brigitte Auer in Wien Neubau keinen Platz.

Mir war schon beim ersten Betreten der Wohnung klar, dass ich zu Hause angekommen war.“ Die ehemalige Theaterdramaturgin Brigitte Auer zog es nach Jahren im Ausland – New York, London, Hamburg – 2005 zurück nach Wien. Die gebürtige Salzburgerin träumte schon als Studentin davon, im Siebten zu leben. „Da war der Bezirk noch eine verschlafene Gegend. Es gab nur das Café Nil und eine Modeboutique.“ Nach monatelanger Suche, noch von Hamburg aus, bekam sie den Tipp, eine Annonce in einem Geschäft im Bezirk aufzuhängen. 24 Stunden später kam der entscheidende Anruf.

Sentiment statt Stromlinie

Seit 2005 spielt sich ihr Leben nun im 90-m2-Dreizimmer-Domizil ab – mit der inzwischen achtjährigen Tochter Vida. „Von allen Lebens-Stationen finden sich Spuren, viele Stücke, die für mich großen sentimentalen Wert haben.“ Etwa der Jugendstil-Tisch, den sie als Studentin bei einem Trödler in Grinzing fand, die Kohn-Bugholzstühle, entdeckt bei einem Trödler im Salzburger Land. Bilderrahmen und Spiegel, die der Großvater (Vergolder und Rahmenbauer) gefertigt hat; das Gemälde der Kaiserin Wu Zetian – die einzige Frau, die je den Titel chinesischer „Kaiser“ trug.

Die Ex-voto-Sammlung mit Stücken aus Italien, Spanien und Österreich, der schreitende Buddha vom Reliquienmarkt Bangkok; Flohmarktfunde aus England. „Ich glaube, es ist klar: Ich bin keine Minimalistin, wenn es um Einrichtung geht. Marie Kondo würde an mir verzweifeln.“

Farben spielen beim Wohnen und Entwerfen für die Modelle ihres Labels Oochi Poochi eine wichtige Rolle. „Das Leben ist zu kurz, um in Beige gelebt zu werden.“ Derzeit ist allerdings nur das Kinderzimmer bunt – in „London Stone“, einem satten Taupe. Als Nächstes soll dem Wohnzimmer ein farbiger Anstrich verpasst werden. „Bis jetzt scheiterte das Projekt am berühmten ,Wer die Wahl hat, hat die Qual‘“, sagt Auer.

Stoff für Geborgenheit

Eine weitere Leidenschaft sind Stoffe: Kissen aus Fortuny-Stoff („Als Teenager habe ich lang gespart, bis ich mir einen Meter dieses sündhaft teuren Brokats in Venedig leisten konnte“), Liberty- und William-Morris-Stoffe. Ihr Lieblingskissen ist von Duncan Grant: „Es erinnert mich an einen Bilderbuch-Sommertag im wunderbaren Charleston House in Sussex.“ Der alte Wandteppich aus Luang Prabang in Laos und die Bahn handgewebter Ikat-Seide aus Burma schmücken die Wände im Schlafzimmer.

Seit Kurzem ziert ein neues Oochi-Poochi-Modell mit handgehäkelten Granny Squares das Sofa. „Den Namen des Labels verdanke ich übrigens dem Vater meiner Tochter, der Brite ist und der, als ich einen schlechten Tag hatte und ihn bat, etwas Nettes zu sagen, meinte: ,Oochi poochi‘ (ausgesprochen utschi putschi)“ – seither ein Ausdruck für Zuneigung.

ZUM ORT, ZUR PERSON

Bis in die 2000er-Jahre recht verschlafen, gilt der 7. Wiener Bezirk heute als umtriebiger Bobo- und Künstlerbezirk. Wohnungen im Bestand kosten in Neubau durchschnittlich 6533 Euro/m2, die Miete für Neubau/Erstbezug 13,55 Euro/m2.

Brigitte Auer betreibt mit Oochi Poochi ein Label für in Wien handgestrickte Accessoires und leitet Workshops. www.instagram.com/oochipoochivienna. [ Barbier]

„Was eine Wohnung für mich erst zu einem Zuhause macht, gibt es in jedem Zimmer: Bücher und Blumen. Da ich von zu Hause arbeite, ist mir eine ansprechende Umgebung wichtig. Vor allem aber ist unsere Wohnung ein Zuhause, ein Rückzugsort, der Geborgenheit und Wärme bedeutet.“ Materialien, die eine angenehme Haptik haben, Holz, Strick, Stoff, sind besonders wichtig. „Ich mag Dinge, die Patina haben; daher ziehe ich Vintage neuen Stücken vor, Handgestricktes dem Maschinengefertigten, Handgetöpfertes dem teuren Service.“

Weekend-Teppich

Der beste Platz der Wohnung ist laut Auer der Tisch im Wohnzimmer, ein leichtes Möbel von Nils Holger Moormann mit weißer Platte. Hier spielt sich der Großteil des Familienlebens ab. „Und der zweite Lieblingsplatz von meiner Tochter und mir ist ihr Zimmer, genauer gesagt der kuschelige Teppich vor dem Puppenhaus, das wir beide seit ein paar Jahren einrichten: Wir haben Teppiche zusammen gewebt, Möbel gebaut, sogar einen offenen Kamin mit (fast) echtem flackerndem Feuer gibt es. Hier sitzen wir gern am Freitagabend, trinken einen gespritzten Apfelsaft (für Erwachsene darf es auch einmal ein stärkeres Getränk sein) und feiern den Beginn des Wochenendes.“

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