Arbeitsmarkt

Neue Energie soll neue Jobs bringen

Im Waldviertel entsteht das europaweit erste Klimaschutz-Ausbildungszentrum für Arbeitslose. Die Hoffnungen auf die Energiewende als Jobmotor sind groß.

Wien. Durch Russlands Angriff auf die Ukraine ist die Energiewende praktisch über Nacht zur politischen Priorität geworden. Das hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – und zwar idealerweise positive. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften im Bereich der erneuerbaren Energien wird in den nächsten Jahren stark ansteigen“, heißt es in einer Analyse des Arbeitsmarktservices (AMS) Niederösterreich. Die Zahlen betreffen allerdings den gesamten österreichischen Arbeitsmarkt.

Grundlage für die Analyse sind die Ergebnisse einer Studie des Energieinstituts an der Linzer Johannes-Kepler-Universität sowie des Instituts für Höhere Studien (IHS). Angenommen wird die Substitution des Ausmaßes an Energie, das derzeit mit fossilen Energieträgern produziert wird.

Um diese Ziele zu erreichen, wären Investitionen von 4,5 Milliarden Euro im Jahr notwendig. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde dadurch in Summe um 9,8 Milliarden Euro jährlich wachsen. Dadurch könnten rund 115.000 Arbeitsplätze im Jahr gesichert oder geschaffen werden. Bis zum Jahr 2030 könnte mit einem Nettozuwachs von über 100.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet werden, heißt es in der Analyse. Der Wegfall von Arbeitsplätzen ist in den Zahlen also schon berücksichtigt.

Viele Fachkräfte gesucht

Die Berechnungen zu den Auswirkungen der Abkehr von fossilen Energieträgern auf den Arbeitsmarkt würden aber bestenfalls eine Untergrenze darstellen. „Vor allem die Annahme, dass nur die Hälfte der zusätzlich benötigten Arbeitskräfte Fachkräfte sein werden, scheint angesichts der teilweise hoch qualifizierten Bereiche in der Energieerzeugung eher vorsichtig“, so die Analyse. Der Strombedarf in Österreich werde sich bis zum Jahr 2040 zumindest annähernd verdoppeln, heißt es mit Verweis auf eine Studie des früheren Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort.

Basis für die erhofften neuen Jobs ist die Tatsache, dass die Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende vielschichtig sind: Es müsse nicht nur die Gewinnung von elektrischem Strom aus erneuerbaren Energien organisiert, sondern auch andere wichtige Aufgaben umgesetzt werden – wie beispielsweise der Austausch von Heizungssystemen mit derzeit fossilen durch erneuerbare Energieträger bis 2040. Dazu kommt die Dekarbonisierung des Verkehrs durch den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern und den Ausbau der Infrastruktur von öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad- und Fußwegen.

Im Waldviertel wird derzeit das europaweit erste Klimaschutz-Ausbildungszentrum gebaut. Es richtet sich an Arbeitslose, die keine Ausbildung und daher schlechte Jobchancen haben. Die Energiewende sei eine Herausforderung für den Arbeitsmarkt, aber auch ein „bedeutender Konjunktur- und Beschäftigungsmotor“, sagt Sven Hergovich, Leiter des AMS Niederösterreich. (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2022)

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