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Am Herd

Als es noch Hausmeister gab 

Früher gab es hier ein sündteueres Geschäft für Stoffe und einen Schuhladen. Damals wohnte im Erdgeschoß noch eine Hausmeisterin. Wenn man sie fragte, wie es ihr gehe, sagte sie nur: „Muss.“

Bei uns im Haus hat es gebrannt. Nicht schlimm, als wir es entdeckten, war schon alles vorbei, es war am Morgen, ein riesiges Feuerwehrauto stand in unserer winzigen Gasse, ein überraschend dünner Schlauch führte ins Innere des Lokals am Eck und der Besitzer stand vor dem Eingang und telefonierte. Der Schaden war, zumindest von außen besehen, nicht hoch, die Einrichtung schien heil, nur die Fenster waren mit schwarzen Schlieren überzogen.

Ach ja, und es stank. Nach Gummi und Rauch. Man roch es bis ins Stiegenhaus, man riecht es noch immer im Hof, dort stehen jetzt die Töpfe mit den Pflanzen und lüften aus, ein kleiner, provisorischer Garten.
Als ich in dieses Haus zog, teilten sich die Fläche im Erdgeschoß ein teures Stoffgeschäft und ein billiger Schuhladen. Damals gab es auch noch eine Hausmeisterin, eine kleine, dürre Frau, die auf die Frage, wie es ihr gehe, immer nur sagte: „Muss.“ Sie nannte mich Schatzi, aber ich glaube, sie hielt mich für eine schlechte Mutter, weil mein Mann am Samstag immer mit den Kindern einkaufen ging. „Und was macht Frau?“, fragte sie ihn dann. Hannah und Marlene waren noch klein und bekamen beim Zielpunkt immer ein Radl Extrawurst von Astrid, der Lieblingsverkäuferin.

Der Massagesalon. Den Zielpunkt gibt es nicht mehr, das Stoffgeschäft ist eingegangen, der Schuhladen auch, wir haben schon gewettet, wie viele Jahre die schwarzen Oma-Halbschuhe noch in der Auslage stehen würden. Ich habe verloren. Dort, wo die Hausmeisterin wohnte, ist jetzt der Eingang zu einem „Massagesalon“, die Besitzerin ist nicht dürr und klein, sie ist drall und normal groß und ich habe sie noch nie gefragt, wie es ihr geht. Manchmal kommt es vor, dass beschämte Kunden vor mir in den Lichthof flüchten, was blöd ist, da sind nur Mistkübel. Manchmal stehen die Fenster offen und man kann einen Blick in die Zimmer werfen. Ich hatte mehr Plüsch erwartet.

Das Restaurant wird wohl erst im November wieder öffnen, sagt der Besitzer. Der Geschirrspüler habe gebrannt. „Ich habe nicht gewusst, dass Geschirrspüler brennen können“, rufe ich. „Ich auch nicht“, sagt er und lacht. Er lacht meistens, obwohl die letzten Jahre hart gewesen sein müssen, das Lokal war kaum eröffnet, da kam der Lockdown und der Koch war auch weg. Der neue ist aus Kalamata und raucht manchmal im Hof. Alle rauchen manchmal im Hof. Der Hof erinnert mich an die Raucherecke im Gymnasium. Die Lehrer sind die Gäste, die im Schanigarten auf der Gasse mit dem Besteck klimpern.
Ich hätte bitte gern, dass das so bleibt.