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Musikverein

Eine Entdeckung aus Moskau im Musikverein

Pianist Alexander Malofeev, kurzfristig eingesprungen, begeisterte mit dem HR-Sinfonieorchester Frankfurt.

Zwei Tage davor noch in den USA, jetzt schon in Seoul, dazwischen Debüt im Musikverein: Dort rettete der erst 21-jährige Moskauer Alexander Malofeev mit seinem kurzfristigen Einspringen für Khatia Buniatishvili den ersten Teil des ersten Gastspielabends des HR-Sinfonieorchesters Frankfurt im Musikverein. Hätte er nicht zugesagt, dann hätte man statt des dritten Rachmaninow-Klavierkonzerts ein anderes Werk wählen müssen – und das hätte eine Entdeckung verhindert. Denn eine solche ist Malofeev.

Er imponiert durch seine exzellente Technik, vor allem seine Anschlagskultur: ein Lyriker mit einem Zug zu Schwärmerei. So präsentierte er den schwierigen Solopart dieses herausfordernden Konzerts, ohne dessen Virtuosität in den Hintergrund zu drängen. Er nahm durch Natürlichkeit und Frische für sich ein, wählte auch klug die Zugaben, mit denen er sich für den frenetischen Jubel bedankte. Er entschied sich für Stücke, die stilistisch wie pianistisch ideal zu diesem Rachmaninow passten: eine Tschaikowsky-Paraphrase aus der Feder von Malofeevs älterem Pianistenkollegen Mikhail Pletnev sowie ein nicht minder herausforderndes kleines Opus von Nikolai Medtner. Atemberaubend.

 

Wenig Streicherglanz aus Frankfurt

Hinwegsehen muss man darüber, dass sich das HR-Sinfonieorchester Frankfurt diesmal als nur halbwegs idealer Begleiter erwies. Um sich mit dem Solisten stets auf dieselben Phrasierungen zu einigen und auf so manche seiner interpretatorischen Eigenwilligkeiten mit der geforderten Flexibilität zu reagieren stand zu wenig Probenzeit zur Verfügung. Davon abgesehen hätte man sich generell mehr Streicherglanz gewünscht. Dieses Manko erwies sich auch bei den beiden folgenden Stücken dieses Abends immer wieder als Achillesferse des Orchesters.

Strawinskys „Jeu de cartes“ hätte einiges mehr an Leuchtkraft und natürlicherer Beschwingtheit vertragen, als es die perfekt einstudierten Frankfurter Radiosinfoniker unter ihrem sie mit Elegance souverän führenden Chefdirigenten Alain Altinoglu boten. Vornehmlich durch kraftvolle Steigerungen und minutiöse Befolgung der vielen Vorschriften dieser komplexen Partitur beeindruckte die Darstellung des Schlussstücks: Alexander Skrjabins zu einer Siegesapotheose gesteigerte Tondichtung „Le poème de l'exstase“. Durch subtileres Nachzeichnen ihrer Farben und mit weniger Lautstärke wäre deren geheimnisvolle Mystik aber noch deutlicher zum Ausdruck gekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2022)