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Kulturerbe

Von Würfel-Uhr bis Auböck-Ei

Christof Stein sieht sich nicht als Sammler, sondern als Geschichtenerzähler. Er selbst behält daher nur wenig – wie den Sessel Josef Franks aus der Familie des Architekten Clemens Holzmeister, den er sich ersteigert hat.Jana Madzigon
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Christof Stein hat schon so manchen Designklassiker gerettet. In seinem neuen Buch versammelt er Anekdoten zu denkwürdigen Objekten. Und er rät, die Augen offen zu halten, denn Schätze gebe es auch weiterhin zu heben.

Oft kam der Zufall gerade noch recht. Etwa an jenem Sonntagvormittag, als Christof Stein mit seiner Familie auf dem Weg zum Frühstück ins Palmenhaus war, und an ihm ein Auto vorbeifuhr – auf dessen Dach eine der runden, roten Bänke des Café Museum. „Und ich denk mir“, erinnert er sich: „Oida?!“

Stein machte sich auf den Weg hin: Zerbrochene Marmorplatten, gestapelte Sesselbeine. Er habe dann den Vorarbeiter gesucht und erklärt, er wolle alles kaufen. „Dann geh einmal Geld holen, Burscherl“, beschied der Mann, ehe er auf den nächsten Tisch drosch. Stein rannte. Am Ende blieb nur ein einziger Sessel unversehrt, dazu rund 40 Tische, zwei Kleiderständer und fünf von den roten Bänken.

In unserem Schwerpunkt zum österreichischen Nationalfeiertag versuchen wir, die vielen Potenziale der Republik zu beleuchten.

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Der Zufall half auch an jenem Freitagabend, als die Vintage-Möbel-Händler von Lichterloh, zu denen Stein damals noch gehörte, ihr Zehnjahresjubiläum feierten. Architektin Iris Podgorschek erzählte Stein damals zwischen Tür und Angel, dass die von Roland Rainer entworfenen Garderobenständer der Stadthalle am Montag um acht Uhr Früh vom Alteisenhändler abgeholt würden. Stein organisierte daraufhin übers Wochenende von einem Freund vier LKW, stand mit selbigen am Montag um sechs Uhr morgens bei der Stadthalle und lud, zum Eisenpreis von 200 Schilling pro Stück, so viele Ständer ein, wie er unterbringen konnte. 60 konnte er retten, weitere 180 wurden abtransportiert. „Ich bin dann da gestanden und habe auch nicht gewusst, was macht man damit?“