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Bildung

Polaschek geht in die "größte Lehrkräfteoffensive der Zweiten Republik"

Es sei sein „persönliches Anliegen“, dafür zu sorgen, dass immer ausreichend Lehrerinnen und Lehrer in den Klassen sind, betonte der Bildungsminister.
Es sei sein „persönliches Anliegen“, dafür zu sorgen, dass immer ausreichend Lehrerinnen und Lehrer in den Klassen sind, betonte der Bildungsminister.APA/ROLAND SCHLAGER
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Das Image des Berufs sei für Lehrpersonen mehr Thema als die Bezahlung, meint Bildungsminister Martin Polaschek. Vor allem auch Quereinsteigende sollen künftig besser angesprochen werden.

In den Schulen fehlt es an Lehrpersonen. Dabei warten bereits einige auf Anstellung, die „Presse“ berichtete. Etliche Lehrerinnen und Lehrer sind etwa in Teilzeitverhältnissen angestellt, obwohl es an Personal mangelt. Die Bildungsdirektionen seien überfordert, es gebe zu wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zu viele Aufgaben. Bildungsminister Martin Polaschek präsentierte am Dienstag Maßnahmen, um das Ungleichgewicht zu beheben. 600.000 Euro nimmt das Ressort für die Kampagne in die Hand.

Es sei sein „persönliches Anliegen“, dafür zu sorgen, dass immer ausreichend Lehrerinnen und Lehrer in den Klassen sind, betonte der Bildungsminister eingangs. Der Fachkräftemangel sei bereits im System Schule angekommen. Es gelte jetzt zu handeln, aber „überlegt und evidenzbasiert“. Um den Bedarf zu decken, soll die „größte Lehrkräfteoffensive in der Geschichte der Zweiten Republik“ gestartet werden. In den letzten Monaten habe das Ressort intensiv an der Initiative „Klasse Job“ gearbeitet. Sie soll einen nachhaltigen Schwerpunkt im Ressort in den kommenden Jahren darstellen.

Quereinsteigende als Ergänzung

Ziel ist es unter anderem Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger anzusprechen. Die Pädagoginnen- und Pädagogenbildung soll ausgebaut werden. Konkret wird es drei Handlungsfelder geben. Zunächst soll „die Erzählung von Schule modernisiert“ werden. Schulen sollen künftig als attraktiver Arbeitsplatz wahrgenommen werden. Das Lehrerinnen- und Lehrerbild soll „neu gedacht“ werden. Der Beruf soll künftig „stärker positioniert“ werden. Pionierschulen werden Schulen als funktionierendes Netzwerk repräsentieren. Sogenannte „Buddys“ sollen sich in den Lehrberuf hineinversetzen und ihre Affinität zum Lehrberuf weiterentwickeln.

Video-Präsentation von Polaschek bei der Pressekonferenz:

Zweitens sollen durch intensives Recruiting neue Zielgruppen für den Lehrberuf erschlossen werden. Unterschiedliche Entwicklungen in der Gesellschaft würden Lehrerinnen und Lehrern viel abverlangen, betont Polaschek. Unter www.klassejob.at soll es gezielte Hinweise geben, „wer wo gesucht wird“. Es sei essenziell, Personen aus verschiedenen Zielgruppen für den Lehrberuf zu gewinnen, um „die Klassen bunter werden zu lassen“. Als Beispiele präsentiert der Minister Kurzvideos von einer ehemaligen Biomedizinerin und einem ehemaligen Architekten als erfolgreiche Beispiele für den Quereinstieg. Die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sollen die traditionellen Lehrkräfte aber nicht „ersetzen“, sondern eher ergänzen, betont Polaschek.

Junge Menschen aus der Krise holen

Als drittes Handlungsfeld gibt der Bildungsminister die Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen an. Es brauche dafür attraktivere Modelle als bisher, unter anderem den dreijährigen Bachelor. Auch die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sollen „von Beginn weg“ ohne Sondervertrag einen „attraktiven Unterricht“ starten können. Curricula und Lehrveranstaltungen an der Hochschulen werden ausgebaut und „gemeinsam weiterentwickelt“. Interessierte Schülerinnen und Schüler sollen „aktiv“ an den Schulen abgeholt werden und in ihrem Berufswunsch unterstützt werden.

Das Lehrerinnen- und Lehrerprofil des 21. Jahrhunderts sei laut Polaschek auch zu überdenken. Es gelte jetzt zu überlegen, wie die Bildung an die aktuellen Entwicklungen auf der Welt angepasst werden kann. Mehr Finanzbildung, politische Bildung und ökologische Bildung soll dabei im Zentrum stehen. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein könnten den Schülerinnen und Schülern eventuell „anders“ nähergebracht werden, als bisher. Lehrerinnen und Lehrer sollen künftig mehr auf die Sorgen und Bedürfnisse der jungen Menschen eingehen, als nur den Unterricht „abzuspulen“. Es brauche Lehrerpersonen, die Kinder in den Krisen der aktuellen Zeit unterstützen und ihnen den Weg in eine positive Zukunft zeigen.

Schlussendlich gelte es insbesondere am „Image“ des Lehrberufs zu arbeiten, meint der Minister. Dies sei für Lehrerinnen und Lehrer in Österreich auch „mehr Thema“, als etwa die Bezahlung. Es gelte jetzt, die negativen Assoziationen mit der Schule auszumerzen und vor allem junge, engagierte Menschen für den Beruf zu begeistern.