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Quergeschrieben

Draußen vor der Tür, wo das Leben kein Hit ist

Die Andeutung der neuen ORF-Radiointendantin, den jungen Kultursender FM4 „vielleicht“ als junges Ö3 zu positionieren, hallt als gefährliche Drohung nach.

Zum Autor

Thomas Weber ist Gründer und Herausgeber von „Biorama“ (Magazin für nachhaltigen Lebensstil) und Buchautor (zuletzt: „100 Punkte Tag für Tag“). Er verantwortet die im Residenz-Verlag erscheinende Buchreihe „Leben auf Sicht“ und lebt im Marchfeld vor Wien. Er schreibt hier ab sofort im 14-Tage-Rhythmus mit der Journalistin und Autorin Anna Goldenberg.

Wer bei uns das Haus betritt, streift das Schuhwerk auf einem öffentlich-rechtlichen Merchandising-Produkt ab. „You're at home, Baby!“, steht da auf einer schwarzen Türmatte, der Claim des Radiosenders FM4. Auch meine Liebste hatte, lang bevor wir zusammenzogen, einen solchen Fußabtreter vor ihrer Tür liegen. Ja, da haben sich zwei gefunden. Beim samstäglichen Absaugen des Abtreters denke ich mir manchmal, dass es absolut undenkbar wäre, irgendeinen anderen Merchandising-Artikel derart demonstrativ vor dem eigenen Innersten auszubreiten.

Ich mache kein Geheimnis daraus: Ich bin mit dem ORF-Sender sozialisiert, war 17, als er vor 27 Jahren on air ging. Das prägt. Eine kurze Zeit lang habe ich sogar selbst für ihn gearbeitet – einmal nach der Schule, noch zu Schillingzeiten; ein zweites Mal bereits nach Einführung des Euro. Natürlich gab es zwischendurch Entfremdungserscheinungen. Für einzelne Sendungen fühle ich mich manchmal zu abgeklärt. Erste vertraute Stimmen sind verstummt, jahrzehntelange Wegbegleiter gestorben. Doch ich fühle mich bei Radio FM4 immer noch gut aufgehoben. Im Ö1-Universum habe ich mir zwar einen geräumigen Zweitwohnsitz eingerichtet. Aber Ö1 und FM4 bleiben kommunizierende Gefäße; das eine wäre ohne das jeweils andere zu wenig.