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Zukunftsmonitor

Österreich vertraut der Wirtschaft mehr als der Politik

Die Presse/Clemens Fabry
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Während die Vertrauenswerte in Politik und Staat sinken, steigt das Vertrauen in heimische Unternehmen. Insgesamt zeichnet die Bevölkerung jedoch ein düsteres Bild für die Zukunft.

Teuerung, Energiekrise, Personalmangel: Die heimische Wirtschaft ist aktuell gefordert, multiple Krisen parallel zu managen. Trotz der steigenden Herausforderung scheint das Vertrauen der Österreicher nicht abzusinken. Die Mehrheit ist davon überzeugt, dass Unternehmen als Motor für die Gesamtwirtschaft fungieren. Zum einen durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und zum anderen durch Investitionen in Forschung und Innovation. Diese gelten als Basis, um neue Technologien zu fördern, wie der Zukunftsmonitor der Industriellenvereinigung in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) zeigt.

Aus den insgesamt 1.200 geführten Befragungen lässt sich ein düsteres Stimmungsbild für die (nahe) Zukunft im Lande zeichnen: Zwar behaupten zwei Drittel grundsätzlich zufrieden mit ihrer Lebenssituation zu sein, aber 64 Prozent – ungefähr zwei von drei Befragten – vertreten die Meinung, dass sich Österreich in eine falsche Richtung bewege. Darunter gab ein Viertel der Befragten an, das Land eindeutig auf dem falschen Weg zu sehen und nur drei Prozent halten den „eingeschlagenen Pfad“ für „eindeutig richtig“.

Mit Pfad sei unter anderem gemeint, wie sich die politische Lage hierzulande entwickle, erklärt IFES-Geschäftsführer Reinhard Raml. Ohne konkrete Entscheidungsträger zu beurteilen, sondern mehr das politische System an sich. „Die Menschen wünschen sich von den politischen Akteuren einen Schulterschluss und nicht einen U-Ausschuss nach dem nächsten. Die Uneinigkeit in der Bundesregierung hat auch direkte Folgen auf das Vertrauen der Menschen.“ Obwohl der Rückhalt zu Beginn der Pandemie gestärkt war - auch, weil die Anliegen der Bevölkerung omnipräsent waren - habe man aktuell stärker das Gefühl, mit der Teuerung und Energiekrise im Stich gelassen zu werden, fasst er zusammen.

Während in städtischen Gebieten mit 31 Prozent der größere Anteil an eine gute Strategie der Politik und Entscheidungsträger glaubt, ziehen nur 19 Prozent der Bevölkerung in ländlichen Gebieten an diesem Strang.

Multiple Krisen senken die Lebensqualität

Für den Großteil den Arbeitnehmenden ist man in Österreich falsch abgebogen, nur 40 Prozent der Selbstständigen sind mit der Richtung einverstanden. Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle: Ein Viertel der unter 30-Jährigen vertraut in die Politik, der Anteil sinkt zwischen 40 und 49 Jahren ab: Nur 19 Prozent sind zuversichtlich. Am höchsten ist der Vertrauenswert - mit 33 Prozent - bei den Befragten über 70 Jahren.

„Schon lange haben nicht mehr so viele Menschen das Gefühl gehabt, dass sich Österreich in die falsche Richtung entwickelt. Das politische System ist gefordert, Antworten auf die vielen Herausforderungen zu finden und der Bevölkerung einen glaubhaften und konstruktiven Weg für die kommenden Monate aufzuzeigen. Staatliche Institutionen wie die Justiz und Österreichs Unternehmen sorgen für Stabilität und haben im vergangenen Jahr an Vertrauen hinzugewonnen, die Politik hat viel davon verloren“, sagt IFES-Geschäftsführer Reinhard Raml.

Auf langfristige Sicht scheinen die kommenden drei Jahre von der Krisenpluralität geprägt zu sein: Neben der Pandemie sorgt der Ukrainekrieg sowie die unsicheren Aussichten für eine Verschlechterung des individuellen Wohlbefindens und führen dazu, die individuellen Lebensqualität zu verringern.

Digitalisierung in der Arbeit willkommen, privat weniger

Positiv zu bewerten sei der Einfluss der Digitalisierung in die Arbeitswelt: Die Möglichkeit, Home-Office nutzen und Prozesse zu vereinfachen. „Es macht den Menschen weniger Sorgen, automatisierte und digitale Prozesse in der Arbeit zu nutzen. Zurückhaltender sind sie, wenn es um die Integration in die Freizeit und Familie geht“, sagt Raml.

Generell werde das Verbesserungspotenzial durch Digitalisierung höher bewertet als die Sorge, als Arbeitskraft ersetzt zu werden. Auf die Frage, wie sich die Digitalisierung in den nächsten drei Jahren auswirken wird, reagieren die Menschen in Österreich vor allem mit Unsicherheit. Speziell der Einfluss auf das Familienleben ist für fast jeden Zweiten nicht absehbar, rund ein Viertel erwartet Positives und 15 Prozent erwarten Negatives. Auch in Bezug auf die Freizeit traut sich mehr als die Hälfte keine Einschätzung zu, ein Drittel sieht vorteilhafte Entwicklungen, 15 Prozent geht davon aus, dass es zu negativen Auswirkungen führen wird.

Ob das wirtschaftliche und politische Klima in Österreich für Unternehmensgründungen günstig ist, scheint vielen unklar zu sein. Es stehen sich in etwa gleich große Gruppen gegenüber, die das Klima für günstig bzw. ungünstig halten. So streben nur 24 Prozent der älteren Personen eine Karriere als Unternehmer an, unter den Jungen liegt der Anteil bei 34 Prozent. Aktiv dagegen sprechen sich 43 Prozent aus, wobei es hier gilt, noch abzuwarten. Denn: Ein Drittel will sich aufgrund der vielen Unsicherheiten aktuell noch nicht festlegen.