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Milliardäre auf Reisen im All

Der erste reiche Recke im All war Richard Branson (Virgin Group) am 11. Juli 2021.
Der erste reiche Recke im All war Richard Branson (Virgin Group) am 11. Juli 2021.Reuters/Andrees Latif
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In Texas gehen Weltraum-Touristen per SpaceX auf Reise. Nicht jeder Flug ins All erzeugt Euphorie angesichts der ­eigenen Bedeutungslosigkeit.

Milliardäre zahlen heute anderen Milliardären Unsummen, um sagen zu können, sie seien ins All ­geflogen. Das Konzept des Weltraum­tourismus stammt aus den frühen ­Nullerjahren, später lieferten sich private Raketenbauer ihr Wettrennen. Der erste reiche Recke im All war Richard Branson (Virgin Group) am 11. Juli 2021; er kam Jeff Bezos (Amazon) um neun Tage zuvor, flog allerdings nur 86 Kilometer hoch, während Letzterer die Höhe von 106 Kilometern erreichte. Das All beginnt laut einer gängigen Definition – aufgestellt vom PR-Team von Bezos? – bei 100 Kilometern Distanz zur Erdoberfläche. So konnten sich beide als Rekordhalter fühlen. Sie ließen daraufhin mehrmals Mitmilliardäre an Bord, Ticketpreis 60 bis 70 Millionen Dollar. Elon Musk, der schräge Gigantomane mit Großstaatsambitionen, schickte bald darauf mit seinem SpaceX erstmals vier Touristen „allein“ um die Erde, in 575  Kilometern Höhe.

Die weitest vorstellbaren Reisen machte die fiktive USS Enterprise unter Captain James T. Kirk, dargestellt von William Shatner. Den maximalen PR-Weltraumcoup landete Jeff Bezos, als er den 90-jährigen Altkapitän vorigen Oktober gratis ins Weltall schoss. In ­seiner nunmehr erschienenen Autobio „Boldly Go: Reflections on a Life of Awe and Wonder“ äußert sich Shatner ­skeptisch-pessimistisch.

Am Flugtag bekam er plötzlich das Unglück der Hindenburg nicht aus dem Kopf. Und die Fliehkräfte des suborbitalen Trips überraschten den resoluten Kirk: „Würde mein Gesicht in einen Haufen Brei verwandelt werden? Konnte ein 90-jähriger Körper das alles aushalten?“
Oben fühlte William Shatner statt der Harmonie aller Dinge „eine kalte, dunkle, schwarze Leere, ganz anders als jedes Schwarz auf Erden. Mein Flug hätte eine Feier werden sollen – fühlte sich aber wie ein Begräbnis an.“ Dieser „overview effect“, auch von Yuri Gagarin oder Michael Collins beschrieben, kann sich in einem Gefühl von Selbstver­kleinerung und Depression äußern. „Man bringt das Bewusstsein der ­eigenen Bedeutungslosigkeit“, erklärte Shatner, „in Zusammenhang mit der Großartigkeit unserer Umwelt.“

("Die Presse Schaufenster" vom 21.10..2022)