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Buchkritik

Keine Liebe ohne Gewalt

Sophie Sumburane hat in Klagenfurt über forensische Linguistik promoviert, landläufig auch bekannt als „Sprachprofiling“. Entsprechend groß ist die Rolle der Sprache in ihrem Roman.(c) Ben Gross
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„Tote Winkel“ von Sophie Sumburane ist ein starkes Stück Literatur über Sprachlosigkeit im Angesicht von Missbrauch. Vom Label „Kriminalroman“ soll man sich nicht täuschen lassen.

Valentina Zinnow lebt das gute Leben. Sie hat zwei entzückende Töchter, ein Haus und ist mit Potsdams Kneipenkönig verheiratet. Bis dieser wegen Vergewaltigung verhaftet wird. Dass das Opfer, Katja, aussieht wie seine eigene Ehefrau, scheint anfangs ein schrecklicher Zufall, entwickelt aber im Verlauf von Sophie Sumburanes bemerkenswertem Roman „Tote Winkel“ sinistre Dimensionen. 

Die Autorin Sophie Sumburane hat darauf verzichtet, aus dieser Gemengelage einen psychologischen Krimi oder mehrdimensionalen Thriller zu machen. Stattdessen verknüpft sie die Schicksale von Valentina, Katja und deren Transgender-Ehefrau Kay in immer engeren Kreisen und erzählt aus drei Ich-Perspektiven. Dass sie das auf fast stille Weise tut, ist ein Kürzel für die Sprachlosigkeit zweier Frauen, die von klein auf gelernt haben, dass es Liebe ohne Gewalt nicht gibt und die keine Worte fanden, um Hilfe zu rufen. Wenn sie es einmal doch taten, hörte ihnen niemand zu - wie Valentinas Mutter, die ihrer Tochter Hysterie vorwarf und meinte, es sei doch ganz normal, wenn Väter mit ihren Töchtern kuscheln würden - auch wenn diese Töchter schon elf Jahre alt sind und diese Art der Zuneigung als teilweise schmerzhaften Übergriff erleben, den sie nicht benennen können.