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Nach Angriffen auf Schiffe

Russland setzt Getreide-Abkommen mit der Ukraine aus

APA/AFP/OLEKSANDR GIMANOV
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Zur Begründung wurde auf angebliche Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer verwiesen. Die ukrainische Regierung wies die russische Darstellung scharf zurück.

Russland stoppt ukrainische Getreide-Ausfuhren über das Schwarze Meer. Die Teilnahme an dem von der UNO und der Türkei vermittelten Abkommen mit der Ukraine werde ausgesetzt, teilte das russische Verteidigungsministerium am Samstag mit. Zur Begründung wurde auf angebliche Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer verwiesen. Russland machte die Ukraine dafür verantwortlich. Dabei sei sie von Großbritannien unterstützt worden.

Nach russischen Angaben wurden am Samstag früh Schiffe der Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim mit Hilfe von Drohnen angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, weil die Sicherheit des für die Getreidetransporte eingerichteten Korridors nicht mehr gewährleistet werden könne, werde das Abkommen ausgesetzt.

Die ukrainische Regierung wies die russische Darstellung scharf zurück. Russland habe Angriffe auf eigene Einrichtungen erfunden. Der ukrainische Präsidentenberater Andrij Jermak sprach von "fingierten Terrorattacken". Moskau blockiere unter einem Vorwand die Transporte, "die Lebensmittelsicherheit für Millionen Menschen bedeuten", erklärte Außenminister Dmytro Kuleba am Samstagabend auf Twitter. "Ich rufe alle Staaten auf, zu fordern, dass Russland seine "Hunger Games" stoppt und sich wieder an seine Verpflichtungen hält."

Die Ukraine habe die Vereinbarung nicht mit Russland, sondern mit den Vereinten Nationen und der Türkei geschlossen, sagte Serhij Nykyforow, Sprecher von Präsident Wolodymyr Selenskij. Kiew warte also auf deren Reaktion.

Hoffnung noch nicht aufgegeben

Die Vereinten Nationen haben die Hoffnung auf ein Fortbestehen des Deals trotz der Äußerungen aus Moskau noch nicht aufgegeben. "Wir stehen mit den russischen Behörden in dieser Sache in Kontakt", sagte ein UN-Sprecher in New York. "Es ist unerlässlich, dass alle Seiten jegliche Handlungen unterlassen, die das Getreideabkommen gefährden, das eine entscheidende humanitäre Anstrengung ist, die eindeutig einen positiven Einfluss auf den Zugang zu Lebensmitteln für Millionen von Menschen weltweit hat."

Das vor drei Monaten ausgehandelte Abkommen sollte den weltweiten Anstieg der Getreidepreise dämpfen. Die Ukraine ist einer größten Exporteure des Grundnahrungsmittels weltweit. Viele Entwicklungsländer sind vom Import vergleichsweise preiswerten Getreides abhängig.

Seitdem Russland und die Ukraine am 22. Juli das Abkommen unterzeichnet haben, wurden mehrere Millionen Tonnen Mais, Weizen, Sonnenblumenprodukte, Gerste, Raps und Soja aus der Ukraine exportiert. Voraussetzung war die Aufhebung der Blockade ukrainischer Häfen und die Schaffung sicherer Korridore durch das Schwarze Meer für die Frachter. Vertreter der UN hatten sich noch Mittwoch zuversichtlich gezeigt, dass die ursprünglich auf 120 Tage begrenze Vereinbarung über Mitte November hinaus verlängert werden könne.

Russland drohte seit Wochen mit Stopp

Russland drohte schon seit Wochen mit einem möglichen Stopp des Getreidedeals. Der ukrainische Präsident Selenskij beklagte bereits in den vergangenen Tagen, dass Russland die Durchfahrt der mit Getreide beladenen Schiffe blockiere.

Zu dem Angriff auf der Krim erklärte die Regierung in Moskau: "Heute Morgen um 4.20 Uhr ist vom Kiewer Regime ein Terroranschlag auf die Schiffe der Schwarzmeerflotte verübt worden." Insgesamt hätten 16 Drohnen Sewastopol angegriffen, die meisten seien aber abgefangen worden. Das Minenräumschiff "Iwan Golubez" und auch Anlagen in einer Bucht seien leicht beschädigt worden, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Regierung in Kiew äußerte sich zunächst nicht direkt zu den Berichten über den Angriff auf der Krim.

Großbritannien weist russische Vorwürfe zurück

Das russische Ministerium warf am Samstag Großbritannien vor, sowohl an den Angriffen auf die Schwarzmeerflotte in Sewastopol am Samstag als auch an den Nord-Stream-Explosionen Ende September beteiligt gewesen zu sein. Dies wurde von London empört zurückgewiesen.

"Um von ihrem katastrophalen Umgang mit der illegalen Invasion in der Ukraine abzulenken, greift das russische Verteidigungsministerium auf die Verbreitung falscher Behauptungen epischen Ausmaßes zurück", erklärte das britische Verteidigungsministerium über Twitter. "Diese erfundene Geschichte sagt mehr über Streitigkeiten innerhalb der russischen Regierung aus als über den Westen. Die britische Marine besitze gar nicht die Fähigkeit, die Gasleitungen zu sprengen, sagte der frühere Royal-Navy-Admiral Chris Parry dem Sender Sky News.

Die Ukraine hat immer wieder erklärt, die von Russland seit 2014 besetzte Krim zurückerobern zu wollen. Die Stadt Sewastopol auf der Halbinsel ist für Moskau wichtig als Basis der Schwarzmeerflotte. Immer wieder wird die Halbinsel auch von Explosionen erschüttert, für die Russland die Ukraine verantwortlich macht. Kiew schweigt dazu meist. Am 8. Oktober etwa war die für den Nachschub der russischen Invasionstruppen in der Ukraine wichtige Kertsch-Brücke zwischen Russland und der Krim durch eine Explosion schwer beschädigt worden.

(APA)