Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

ATP-500-Turnier

Tennis: Erler/Miedler überraschend Wien-Doppel-Champions

Lucas Miedler und Alexander Erler
Lucas Miedler und Alexander ErlerAPA/EVA MANHART
  • Drucken

Das Duo aus Tirol und Niederösterreich, das per Wildcard zum Hauptbewerb der Erste Bank Open kam, rang Santiago Gonzalez/Andres Molteni nieder. Die Stadthalle wird zu kein, sagt Veranstalter Herwig Straka, der einen Zuschauerrekord feiert.

Alexander Erler und Lucas Miedler haben am Sonntag sensationell den Titel beim ATP-500-Turnier in Wien geholt. Das Duo aus Tirol und Niederösterreich, das nur dank einer Wildcard im Hauptbewerb der Erste Bank Open stand, rang im Endspiel Santiago Gonzalez/Andres Molteni (MEX/ARG) mit 6:3,7:6(1) nieder. Erler/Miedler haben damit ein seltenes Österreich-Double geschafft, denn im Vorjahr hatten sie ebenso überraschend den ersten ATP-Tour-Titel in Kitzbühel geholt.

Schon diesen Finalsieg hatten sie per Wildcard geholt. „Mit einer Wildcard sind wir in Österreich auf der ATP noch ungeschlagen“, merkte Miedler bei der Siegerehrung launisch an. „Also nächstes Jahr, Herwig (Turnierdirektor Straka, Anm.) bitte wieder eine Wildcard.“ Erler ist kein Freund großer Reden, diesmal noch weniger: „Ich bin gerade ein bisschen sprachlos momentan“, stand er noch im Banne des Triumphes. Beider Dank galt für die Wildcard, den Fans und dem Betreuer-Team. „Danke auch an die Familie“, sagte Miedler. „Wir werden das gebührend feiern.“

Der 25-jährige Erler und der 26-jährige Miedler schafften den ersten Titelgewinn eines heimischen Doppels in der Turniergeschichte. In der knapp 50-jährigen Turniergeschichte war es davor drei Österreichern gelungen, den Doppel-Titel zu holen - 1988 dem Kärntner Alexander Antonitsch mit Balasz Taroczy (HUN), 2009 dem Steirer Oliver Marach mit Lukasz Kubot (POL) und 2014 Jürgen Melzer mit Philipp Petzschner (GER). Dazu kamen neun Finalteilnahmen, alleine fünf von Julian Knowle. All diese Erfolge waren eher zu erwarten gewesen als der nunmehrige.
Das Davis-Cup-Doppel war eben mit Wildcard in den Raster gekommen und hat auch vom Ausscheiden aller vier gesetzten Paare schon in der ersten Runde profitiert. Mit Andrej Rublew/Karen Chatschanow (RUS) und Hubert Hurkacz/Marcelo Melo (POL/BRA) schalteten sie am Zweit-Court am Heumarkt nichtsdestotrotz namhafte Gegner aus, im Halbfinale besiegten sie ebendort Sander Gille/Joran Vliegen (BEL). Ist schon der Turniersieg sensationell, so ist es auch die Tatsache, dass das rot-weiß-rote Duo im Turnierverlauf keinen einzigen Satz abgegeben hat.

Erler/Miedler haben heuer vier Challenger-Titel gewonnen, der Wien-Titel ist aber natürlich der absolut größte Erfolg in ihrer Karriere. Erler wird nun am Montag in der Doppel-Weltrangliste auf Position 50 der beste Österreicher sein, Miedler wird auf Position 55 erwartet. Es ist ihr jeweils bestes Ranking. Und dieses öffnet ihnen die Tür auf die ATP-Tour, auch bei Grand-Slam-Turnieren sollte man sie künftig sehen. Mit Gonzalez/Molteni besiegten sie den 31. und 40. der Doppel-Weltrangliste, die beiden haben heuer in Cordoba, Buenos Aires und Gijon 250er-Titel gewonnen.

Die Lokalmatadoren ließen sich davon nicht beeindrucken. Scheinbar ohne Nervosität traten die beiden vor einer mit 9.000 Zuschauern gefüllten Halle auf und breakten ihre Gegner gleich zum 2:0. Diesen Bonus verwalteten sie u.a. mit starken, übersichtlich platzierten Returns von Miedler, den Satzgewinn der Schützlinge von Wolfgang Thiem fixierte Erler mit einem Ass. Im zweiten Satz ging es mit dem Service in das Tiebreak, in dem Erler/Miedler äußerst souverän agierten. Nur ein Punkt ging da an die Gegner. Als Belohnung gab es auch einen Siegerscheck über 144.300 Euro.

Erler betonte danach im ServusTV-Interview, dass sie zu Beginn der Woche daran geglaubt hatten, jeden besiegen zu können. „Das haben wir auch gezeigt. Ich werde mir jetzt vielleicht zwei Bier gönnen, morgen heimfahren und nach einer Woche Pause greifen wir wieder an.“ Miedler hätte seinen Abflug in den Abu-Dhabi-Urlaub am Samstag gehabt, nun sei da sogar ein Upgrade drinnen. Die beiden hatten übrigens für das Kitzbüheler Turnier 2021 zufällig zusammengefunden. „Seitdem werde ich ihn nicht mehr los“, sagte Miedler mit einem Augenzwinkern über Erler.
Die Fans hätten sie zum Sieg gepusht. „Das taugt uns. Uns beflügelt das, wir haben Gott sei Dank auch einen guten Start gehabt. Davon beflügelt haben wir wieder eine unglaubliche Partie gespielt“, war Miedler bewusst. Beide waren eine Woche davor auch in der Einzel-Qualifikation angetreten, es war jeweils in Runde eins Endstation. Ob nun dem Doppel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde? „Eine schwierige Frage mit den 500 Punkten jetzt, das ist eine andere Dimension“, gab Miedler zu bedenken. „Ich fahre mal in den Urlaub und spiele dann vorerst mal Einzel.“

Veranstalter Herwig Straka strahlt

Das Wiener Stadthallen-Tennisturnier hat heuer gezogen wie noch nie. Von Mittwoch weg war beim ATP-500-Event fünfmal in Folge kein Platz frei. „Im Tennis war die Stadthalle noch nie so oft ausverkauft“, sagte Turnierdirektor Herwig Straka am Sonntag bei der Bilanz-Pressekonferenz. „Wir haben die 70.000er-Schallmauer geknackt, was für uns unvorstellbar war.“ Voraussichtlich werde man diese Marke so um 5.000 Zuschauer übertreffen. Man hätte viel mehr Tickets verkaufen können.

Speziell am Freitag und Samstag, dem Viertel- und Halbfinaltag, sei der Run auf die Plätze in der 9.500er-Halle sehr stark gewesen. Straka: „Wir hätten da sicher das Doppelte verkaufen können - sicher 20.000 und mehr.“ Auch am Schwarzmarkt sei einiges los gewesen. Daher spricht Straka offen über den geplanten neuen Veranstaltungskomplex in St. Marx. „Ja, wir brauchen eine neue Halle. Wir sind in Gesprächen. Tennis ist eines der wichtigsten Assets, die wiederkehrend sind. Deswegen wird auch in der neuen Halle mit Tennis geplant“, erklärte der Steirer.
Man werde dann wahrscheinlich die Stadthalle schweren Herzens verlassen müssen, bis dahin seien es aber noch viele Jahre. Vorrangig sieht Straka das Aktuelle, und das habe eine tolle Bilanz gebracht. „Ich bin dafür bekannt, dass ich nie zufrieden bin. Aber ja, ich bin zufrieden. Wobei, das ist alles andere als ein Selbstläufer. Alle haben sich eingebracht. Wir haben überall ausgeweitet, ausgebaut.“ Das Ergebnis mache ihn stolz, die Qualität der Spiele sei die eines Finales von Turin (ATP Finals, Anm.) gewesen. „Die Spiele waren auf höchstem Level.“

(APA)