Acht Monate ist es her, dass Olaf Scholz ein großes Wort gelassen aussprach – wie zuvor „Bazooka“ oder danach „Wumms“.
Der deutsche Kanzler hat – ganz und gar nicht hanseatisch – ein Faible für dramatische Rhetorik, und sein Diktum von der „Zeitenwende“ hat das Zeug zum Wort des Jahres. Zum Start der Winterzeit gilt das jetzt noch mehr als damals, drei Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs, als klimatisch bereits der Frühling keimte, in der politischen Großwetterlage aber die Eiszeit anfing. Mittlerweile steht fest: Das Kriegs- und Krisengespenst lässt sich so schnell nicht verscheuchen – auch nicht durch den wildesten Halloween-Spuk.
Neue Zeiten allerorts. In Großbritannien hat das Volk schwere Turbulenzen durchgemacht – die Rochaden in Downing Street 10 und 11. Und mittendrin der Epochenwechsel im Königshaus, lang ein Hort der Stabilität. Der Premier lässt den König nicht zum Klimagipfel nach Kairo reisen, und bei Madame Tussauds schleudern Klimaaktivisten Tortenstücke auf seine Wachsfigur.
King Charles lässt sich indes nicht erschüttern. Er liebe das Geräusch von Standuhren, ihr „Tick-Tock“, bekannte er – notfalls womöglich sogar auf TikTok. Und er verfügt über genug dienstbare Geister, um die Uhren in den Palästen und Schlössern zur Geister- und Nebelstunde auf die neue Zeit umzustellen. (vier)
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2022)