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Systembau

Nachhaltig vorgefertigt

Schnell aufgestellt: Arbeiter beim Bau eines Fertighauses auf Betonfundament.
Schnell aufgestellt: Arbeiter beim Bau eines Fertighauses auf Betonfundament.Getty Images
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Fertigteil- und Modulbauweise ergänzen die traditionelle Bauweise immer öfter. Welche Vor- und Nachteile haben sie? Und was sollte man bei der Entscheidung berücksichtigen?

Unter einem Fertighaus versteht man eine Konstruktion, die vorgefertigt auf die Baustelle geliefert wird, insofern zählen auch Modulhäuser zur Kategorie Fertighaus. Unterschiedlich ist aber die Art und Weise, wie beide zum Bauplatz gelangen: Das Fertighaus wird in Teilen geliefert und an Ort und Stelle zusammengesetzt. Das erspart einiges an Baustellenlogistik, ist emissionsarm und verkürzt die Bauzeit erheblich.

Ein Modulhaus wird im Werk komplett vormontiert und wird als Wohneinheit punktgenau auf einem vorbereiteten Platz abgesetzt. Dabei können mehrere Module individuell aneinander platziert werden – hintereinander, seitlich oder übereinander. Dieser Trend ist vor allem in Kanada, Finnland und Schweden entstanden, weltweit soll der Markt jährlich um 6,4 Prozent wachsen und 2027 ein Volumen von fast 192 Milliarden US-Dollar erreichen. Modulhäuser sind allerdings schwieriger anzuliefern, weil sie als Wohneinheit kommen, und das zu Sondertransportkosten. Das ist in den Baunebenkosten einzukalkulieren.

Von der Lücke zum Vorreiter

„Geometrisch gesehen stehen alle Modulbauten vor Herausforderungen bei Zubauten wie Aufstockungen auf Bestandsgebäuden und bei der Anpassung bei einer Lückenbebauung“, berichtet Pressesprecherin Ivana Kopajtic von Lukas Lang Building Technologies. Die Firma entwickelte in Österreich ein spezielles Modul-Baukasten-System, das sich sowohl im Städtebau als auch im peripheren Umland der Städte umsetzen lässt. Durch das Rastermaß von 140 Zentimetern sei dieses System zumeist nicht mit Bestandsgebäuden bei Zubauten kompatibel. Bei Einfamilienhäusern sei es allerdings kein Problem, nach diesem Maß Veränderungen vorzunehmen.

Auch in das klassische Fertighaus ist in den vergangenen Jahren viel Know-how eingeflossen, seine Beliebtheit nimmt zu. Jedes fünfte österreichische Einfamilienhaus wurde 2021 in Fertigbauweise errichtet, die meisten davon in Niederösterreich. Nahezu jedes Fertighaus wird in Niedrigenergie-Bauweise geliefert. Und auch sonst denkt die Branche nachhaltig: Fertighäuser sparen durchschnittlich im Vergleich zur Ziegel- oder Betonbauweise bei einem Haus mit 150 Quadratmetern rund 25.000 Kilogramm CO2 pro Haus. Dazu kommt immer öfter die Verwendung von nachhaltigen, heimischen Rohstoffen, wie Verkaufsleiter Ferdinand Perner von Haas Fertigteilhaus erklärt. Doch auch das Modulhaus kann mithalten. „Besonders nachhaltig sind die wiederverwendbaren Module. Wir setzen nicht auf große Fertigmodule, sondern auf kleine Elemente beziehungsweise Bauteile, die auch in anderen Konstellationen an Nutzungen, etwa bei Schul- und Wohnungsbauten, sowie Grundrissgeometrien anpassbar sind“, sagt Kopajtic.

Zukunftsnutzung mitplanen

Will man nachträglich, beispielsweise ob einer veränderten Familiensituation, das Haus verändern, wird auch das schwierig – sofern man die spätere Nutzung nicht schon beim Planen mitgedacht hat und entsprechende Vorkehrungen getroffen hat, um flexibel mit der Substanz umzugehen. „Im Werk wird genau nach Plan gefertigt.

Wenn ein Haus auf der Baustelle gemauert wird, kann man auch während der Bauphase noch Änderungen vornehmen“, sagt Christian Murhammer, Geschäftsführer des Österreichischen Fertighausverbandes. Deshalb rät er, sich genau zu überlegen, was man will und braucht, schon bevor man sich erkundigt – beispielsweise bei einem Fertighausfachberater. „Er hat die Planungskompetenz, diese Wünsche umzusetzen.“ Was es dabei allerdings zu bedenken gibt, ist: Extrawünsche kosten oft auch extra.

AUF EINEN BLICK

Fertighäuser sind beliebt: Jedes fünfte österreichische Einfamilienhaus wurde 2021 in Fertigbauweise errichtet, die meisten davon in Niederösterreich.

Gepunktet wird vor allem mit Planungssicherheit, kurzer Bauzeit und nachhaltigen Baustoffen, wobei aber auch noch nicht recycelfähige Materialien gewünscht werden.

Eine Herausforderung stellen auch Haustechnik und spätere Umbauten dar. Die Planung sollte also mögliche zukünftige Nutzungen miteinbeziehen.

Herausforderung Haustechnik

Eine weitere Herausforderung sind die Systemkomponenten im Bereich Haustechnik und Innenausbau. Erstere ist mit einer laufenden und sehr schnellen Veränderung in anderen Bauteilen konfrontiert, im Bereich Innenausbau ist ebenfalls noch ein Umdenken nötig, sagt Kopajtic: „Bauträger und Vermietungsstellen sind dafür noch zu sensibilisieren, dass die derzeitig oft gewünschten Oberflächen, wie etwa gemalte Gipskartonwände, einen schnellen, zerstörungsfreien und insbesondere reinigungsarmen Umbau nicht zulassen.“

Nachhaltige Konzepte

Das Unternehmen könne Wünsche wie Gipskartonwände zwar technisch ohne Problem erfüllen, „jedoch entspricht es nicht dem Unternehmenswertesystem der Nachhaltigkeit“. Was bei Fertig- und Modulhaus grundsätzlich nachhaltig ist: Hauptbaustoff ist Holz, das schadstoffarm, nachwachsend und mit guten Dämmeigenschaften ausgestattet ist. Zudem gilt Holz als CO2-Speicher.

Nachhaltig sind beide Bauweisen, wenn darauf geachtet wird, dass es recyclingfähig ist. Das bedeutet, dass sich die verbauten Materialien wieder voneinander trennen lassen und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. „Wir legen Wert darauf, dass die Gebäude sowohl werterhaltend abgebaut als auch wieder in neuen und anderen Konstellationen oder Formen aufgebaut werden können. Ebenso sollen die natürlichen Ressourcen dabei bestmöglich verwertet werden sowie in der Herstellung nur einmal gebraucht werden und dann für eine mehrfache Nutzung zur Verfügung stehen“, erläutert Kopajtic.