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Macht Muttermilch (Männer) klüger?

Macht Muttermilch Maenner klueger
(c) BilderBox (Wodicka; A-4062 Thening)
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Australische Studie zeigt einen geschlechtsspezifischen Effekt des Stillens auf die Intelligenz.

Ob und wie lange Kinder an den Brüsten der Mütter hängen sollen, ist hoch umstritten: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindestens ein halbes Jahr; die Philosophin Elisabeth Badinter wendet sich dagegen, namens eines Teils der Frauenbewegung, aber in der gibt es auch eine Natur-Fraktion für das Stillen; und die Industrie, die Babymilch verkauft, hat ebenfalls Interessen (und Forschungsgeld). „Die übergroße Mehrheit der Studien tendiert dahin, dass Stillen besser ist“, fasst Jonathan Wells (London) seitens der Humanökologie zusammen: „Viele der von allen akzeptierten Vorteile hängen mit dem Vermeiden von Pathogenen zusammen.“

Das liegt daran, dass Muttermilch nicht nur die Kinder füttert, sondern auch die Bakterien in ihrem Darm: Wir alle kommen ohne Bakterien zur Welt, die Milch steuert, welche sich in uns ansiedeln und welche ferngehalten werden, so wird vor allem Diarrhö abgewehrt. Manche Studien sehen auch einen Einfluss auf die Körperfülle der Heranwachsenden – Muttermilch soll schlanker halten –, aber die bisher größte an 13.889 sechsjährigen Schulkindern in Weißrussland bestätigte diesen Effekt nicht.

Anderswo allerdings wurde sie fündig: im Gehirn. Kinder, die lange gestillt worden waren, hatten mit sechs Jahren einen um 5,9 Punkte höheren IQ (Nature, 468, S.5). Das galt für alle Kinder. Aber in einer australischen Langzeitstudie zeigte sich nun eine Geschlechtsdifferenz: Nur Burschen profitieren (aber die rundum: vom Lesen bis zur Mathematik). Das kann ein Stück weit an sozialer Zuwendung liegen – zumindest in Australien stillen eher gehobene Schichten, die ihren Kindern viel Zeit widmen –, aber auch wenn man das berücksichtigt, bleibt der Effekt. Studienleiterin Wendy Oddy (Perth) vermutet, dass das männliche Gehirn, das sich in seiner Entwicklung schwerertut, von Östrogen in der Milch gestärkt wird (Pediatrics, 20.12.). jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2010)