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Klimakonferenz

Schutz der Meere: Bitte warten!

Dive in the Bransfield Strait, Antarctica
Taucgang der "Greenpeace"-Wissenschaftlerinnen Susanne Lockhart und Rachel Downey Bransfield Strait, Antarctica. Die Unterwasseraufnahme zeigt eine Federstar-Garnele.(c) © Greenpeace
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Der Anfang vom Umschwung hätte rund um die Antarktis stattfinden sollen – doch die angekündigten Schutzgebiete um die eisige Polkappe lassen auf sich warten.

Der Name ist Programm: Die „Kommission zur Bewahrung der antarktischen lebenden Meeresressourcen“ (CCAMLR) verrät, worum es in erster Linie geht – das effiziente Ab-Fischen von „Ressourcen“ des antarktischen Meeres; somit nicht in erster Linie um die Etablierung von Schutzzonen. Und doch sind letztere beim jüngsten CCAMLR-Treffen von 22 Delegationen (der insgesamt 27 Mitgliedsstaaten und zehn weiteren mit Beobachterstatus) im Mittelpunkt gestanden.

Das zweiwöchige Treffen in Hobart auf der australischen Insel Tasmanien war aus dieser Perspektive ein Fehlschlag, zeitgleich mit dem Begin der Klimakonferenz in Ägypten. Die Weltmeere sind ein Schlüssefaktor des Klimageschehens.

Umso wichtiger wäre eine Erfolgsmeldung in Hobart gewesen. Wiewohl die Aussendung der Kommission Eigenlob produziert, indem die Vereinbarung hervorgehoben wird, beim nächsten Meeting in Chile 2023 drei Schutzgebiete zu fixieren. Ursprünglich war dies bereits für diese Sitzung geplant, die vorigen Freitag zu Ende gegangen ist.

70 km2 neue Schutzzone

Wirklich auf der Haben-Seite stehen bloß etwas mehr als 70 Quadratkilometer Schutzzone - acht neue „Vulnerable Marine Ecosystems“ (VME), in denen eine ausgewöhnliche Artenvielfalt besteht. Diese Gebiete haben die beiden Wissenschaftlerinnen Susanne Lockhart und Rachel Downey des Greenpeace-Schiffs „Arctic Sunrise“ in vielen Tauchgängen entdeckt und erforscht.

Tatsächlich gibt es Vorschläge für Schutzgebiete bereits seit 2009 und der ursprüngliche Plan war, dass in diesem Jahr welche ausgewiesen werden. Der Vorstoß ist nicht von ungefähr gekommen: Er hätte einen ersten, großen Schritt setzen sollen, um die Vorsätze der Ende 2020 gegründeten „High Ambition Coalition“ (HAC) in die Tat umsetzen. Damals hatte sich Frankreich an die Spitze dieser Initiative gesetzt. Oberste Zielsetzung: Jeder Staat solle bis 2030 ein knappes Drittel des Staatsgebiets unter strengen Schutz stellen, um dem Artenverlust Einhalt zu gebieten.

Auch hier geht es nicht nur um Biodiversität, sondern auch um ein Bremsen der Auswirkungen der Klimakrise. Denn nur intakte Meere können die Belastung mit Treibhausgasen und durch Verschmutzung abpuffern.

Außerdem hat die HAC gepusht, dass dieses „30 X 30“- Ziel auch auf der Hochsee, in internationalen Gewässern, verfolgt werde. An einem diesbezüglichen Anlauf ist bereits Ende August eine UN-Konferenz zum Schutz der Meere gescheitert. Hier hätten in New York Schutzzonen etabliert werden sollen, doch scheiterten die Bemühungen am Widerstand der US-Delegation. Das Meeting endete mit mageren, prozeduralen Fortschritten. Das Thema ist - in unterschiedlicher Vehemenz - seit 15 Jahren auf dem Tisch.

„Uns läuft die Zeit davon"

Vorerst letzter Akt war nun das Zusammentreffen der Kommission in Hobart. „Die Antarktis ist ein Ort des Friedens und der Wissenschaft“, meint Emily Grilly, Antarctic Conservation Manager des World Wide Fund (WWF) Australien. Sie fordert, dass in der Konferenz künftig die Bedeutung vom „Abernten der Fische“ zum „Schutz des Meeres“ verschoben werde. Es müssten bessere Wege gefunden werden zusammenzuarbeiten. „Jetzt ist die Zeit, um Aktionen zu setzen.“

Auch Frida Bengtsson, Sprecherin der „Schütze die Antarktis“-Kampagne von Greenpeace Australien spart nicht mit Kritik: Das Treffen in Hobart sei „eine historische Chance“ gewesen. Die Delegationen seien „in gutem Vertrauen“ auf ein Gelingen nach Tasmanien gekommen, doch wurden „ernsthaften wissenschaftlichen Vorschläge um Meere zu schützen“ aus der Bahn geworfen – „durch Interventionen, die kaum wissenschaftlich unterfüttert waren.“

Bengtsson kreidet vor allem China, Norwegen und Russland an, dass mit Verzögerungstaktiken, die auch Filibuster-Reden beinhalteten, inhaltliche Fortschritte verhindert wurden. „Uns läuft die Zeit davon. Wissenschaftler sind unzweideutig, dass wir ein Drittel der Meere unter Schutz brauchen, um die im Meer lebenden Tiere so weit zu schützen, dass Ernährungssicherheit von Milliarden von Menschen garantiert wird und die Folgen der Klimakrise gebremst werden können."

Die Kommission ist Anfang der 19080-er Jahre gegründet worden. Damals waren erste Befürchtungen laut geworden, dass das Meer im Süden der Erde leergefischt werden könnten. Die Kommission wurde aus der Taufe gehoben, um die Fischerei in nachhaltige Bahnen zu bringen.

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