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ÖVP feilt an neuer Aufnahmeprüfung für Gymnasien

oeVP feilt neuer Aufnahmepruefung
(c) Clemens Fabry
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Die ÖVP kann sich eine mehrstufige Prüfung vor einem Wechsel an die AHS vorstellen. Uneins ist man, ob es eine innere Differenzierung durch Leistungsgruppen geben soll.

Die ÖVP will über die Feiertage an ihrem Bildungspapier feilen, das schon im Jänner des neuen Jahres fertig vorliegen soll. Die Grundpfeiler sind bereits bekannt („Die Presse“ berichtete), darunter aufgewertete Hauptschulen, ein „Polytechnikum neu“ und mehr Angebot für Hochbegabte.

Nicht kommen wird voraussichtlich eine „Gesamtschule“ oder „gemeinsame Schule“ für alle Zehn- bis 14-Jährigen. Doch sind auch für diese Sekundarstufe I Änderungen vorgesehen. Glaubt man Insidern, dreht sich die Debatte – auf Druck einzelner Landesparteien, etwa von Teilen der ÖVP Salzburg – nun verstärkt um die Frage, wer überhaupt von der Volksschule an ein Gymnasium wechseln dürfen soll: Parteiinterne Kräfte drängen darauf, dass es bald wieder „Aufnahme-“ oder „Eignungsprüfungen“ für alle gibt, so heißt es.

In der ÖVP überlegt wird offenbar, drei Kriterien für einen Übertritt an die AHS-Unterstufen zu fixieren: Erstens sollen die Noten zählen, die Schüler an ihrer Volksschule bekommen, zweitens die Leistungen nach den Bildungsstandards, mit denen österreichweit die Kernkompetenzen vor einem Übertritt überprüft werden, und drittens eine „Aufnahme-“ oder „Eignungsprüfung“ an jenem Gymnasium, das der Schüler künftig besuchen will. Denn Eltern, so die Vermutung, könnten häufig gar nicht beurteilen, ob ihr Kind AHS-reif ist – trotzdem dränge gerade in Großstädten wie Wien ein Großteil der Mütter und Väter darauf, dass ihr Kind nicht in der Haupt- oder Neuen Mittelschule landet.

Neben einer Aufnahmeprüfung, die auf den drei Kriterien basiert, wird in der ÖVP aktuell offenbar eine zweite Variante einer „Aufnahme-“ oder „Eignungsprüfung“ diskutiert. Nämlich eine, bei der ein Team aus Volks-, Hauptschul- und AHS-Lehrern die letzten Schularbeiten von Schülern an ihrer Volksschule, also in der vierten Klasse, nicht nur bewerten, sondern die Schularbeiten auch für sämtliche Schulen in einem Schulbezirk – oder aber im ganzen Bundesland – erstellen: Die Aufgaben sollen also für möglichst alle Schüler gleich sein, oder jedenfalls ein Teil der Aufgaben soll sich decken. Dieses Prinzip ist schon für die neue schriftliche „Zentralmatura“ ab 2013/2014 vorgesehen und soll eine bessere Vergleichbarkeit von Arbeiten liefern.

Gleiche Schularbeiten für alle?

Käme Ähnliches für die letzten Schularbeiten an Volksschulen, dann sollte die Koordinierung der Aufgaben bzw. der Schularbeiten beim jetzigen Bezirksschulrat liegen, der bald in neun „Bildungsdirektionen“ – einer pro Bundesland – aufgehen könnte, so heißt es.

Beim Koalitionspartner SPÖ wird die ÖVP mit ihrem Vorstoß für eine generelle „Aufnahmeprüfung“ an AHS allerdings auf heftigen Widerstand stoßen: Die SPÖ lehnt eine solche weitere Selektion traditionell ab. Aktuell wird nach der Volksschule an einem Gymnasium aufgenommen, wer die besten Noten hat. Üblicherweise haben sehr viele Schüler lauter Einser, höchstens ein paar Zweier. Ist noch Platz für andere Schüler, die aber in einem der Hauptfächer – Deutsch oder Mathematik – einen Dreier haben, dann müssen die Bewerber schon jetzt eine Aufnahmeprüfung bestehen. Die ÖVP-Bildungsexperten selbst wollen in wenigen Wochen über eine „Aufnahme-“ oder „Eignungsprüfung“ fürs Gymnasium einig sein.

Feilschen um Leistungsgruppen

Feststehen soll mit dem neuen ÖVP-„Bildungsprogramm“ dann auch, wie eine innere Differenzierung der Sekundarstufe I gelingen kann. Die ÖVP würde Leistungsgruppen in ganz Österreich befürworten, die SPÖ bleibt skeptisch: Leistungsgruppen würden die schwächsten Schüler nur noch mehr schwächen, während besonders Begabte aber sogar vom Miteinander mit Schwächeren profitieren würden – etwa, indem sie sich als „Trainer“ der schwächeren Schüler engagieren und dadurch auch ihr eigenes Wissen festigen.

Derzeit sind Leistungsgruppen an Hauptschulen zwar die Regel, es gibt aber österreichweit sehr viele Schulversuche, die Leistungsgruppen ausschließen. Darunter auch den jüngeren Schulversuch der „Neuen Mittelschule“, der aufgewertete Hauptschulen bringt.

Das neue ÖVP-„Bildungsprogramm“, das schon in wenigen Wochen feststehen soll, wird federführend von ÖVP-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl – der „Schattenministerin“ von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied – sowie von weiteren Bildungsexperten der Partei verhandelt. Die ÖVP will damit die Themenführerschaft zur Bildung in der rot-schwarzen Koalition beweisen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27. 12. 2010)