Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Interview

Bafin-Direktor Thorsten Pötzsch: „Das Risiko, erwischt zu werden, war noch nie so groß“

Bafin-Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch hat jetzt viel mehr Spielraum bei der Überwachung. Den nutzt er bei Adler auch aus.Die Presse/Clemens Fabry
  • Drucken

Der Fall Wirecard hat die Bafin umgekrempelt. Seitdem leitet Thorsten Pötzsch die Wertpapieraufsicht der deutschen Behörde.

Der Wirecard-Skandal hat die Schwachstellen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schonungslos offengelegt. Jetzt will sie bei Adler alles richtig machen. Eine Tochter des verschachtelten Immobilienkonglomerats habe sich laut Bafin ein großes Entwicklungsprojekt in Düsseldorf schöngerechnet. Es ist der erste Prüfstein für die neu organisierte Bilanzkontrolle. Das Vorspiel war ein Bericht des berüchtigten britischen Leerverkäufers Fraser Perring.

Er konzentrierte seine Vorwürfe auf den Österreicher Cevdet Caner. Dieser ziehe im Hintergrund die Fäden, obwohl er keine offizielle Rolle hat. Sowohl Adler als auch Caner widersprachen den Vorwürfen stets vehement. Der Fall liegt nun in der Hand von Thorsten Pötzsch. Er ist seit Herbst 2021 Exekutivdirektor für die Wertpapieraufsicht.

 

Die Presse: Ist die Bafin in ihrer Aufgabe, Anlegerinteressen zu schützen, gescheitert?

Thorsten Pötzsch: Wir alle haben aus Wirecard sehr viel gelernt. Der Gesetzgeber hat reagiert, indem er die Bilanzkontrolle vollkommen neu aufgestellt hat. Die Bafin ist rechtlich, organisatorisch und personell jetzt deutlich besser ausgerüstet. Auch der Spirit ist ein anderer.

 

Ich weiß, Sie waren damals noch nicht Chef der Wertpapieraufsicht, sondern zuständig für den Bereich Geldwäscheprävention und Abwicklung. Aber bevor wir dazu kommen, was die Bafin gelernt hat, sehen Sie rückblickend ein Scheitern?

Ich möchte nicht im Rückblick eine Nabelschau betreiben. Es gab einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der den Fall umfangreich aufgearbeitet hat. Neben den personellen Konsequenzen, die bei der Bafin gezogen wurden, haben wir eine neue Führung und deutlich passendere rechtliche Rahmenbedingungen.

 

Seit zehn Monaten.

Bei der Bilanzkontrolle seit zehn Monaten.

"Für Betrug ist zusätzlich eine Täuschungsabsicht erforderlich."

Thorsten Pötzsch, deutscher Wertpapieraufsicht-Chef

Was hat die Bafin nun aus Wirecard gelernt?

Das zweistufige System der Bilanzkontrolle wurde abgeschafft. Für die Prüfung der Rechnungslegung der deutschen börsenotierten Unternehmen ist nun keine privatrechtliche Organisation, die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), mehr zuständig. Verantwortlich ist jetzt allein die Bafin, mit ihren hoheitlichen Eingriffsmöglichkeiten.

 

Hat die Bafin vor Wirecard gefordert, dass das Gesetz geändert werden soll?

Über Gesetze entscheidet der Gesetzgeber. Dass der Gesetzgeber nach den Vorkommnissen um Wirecard so gehandelt hat, begrüße ich ausdrücklich.

 

Welche Änderungen würden Sie sich noch zusätzlich wünschen?

Ich denke, die Bafin ist jetzt erst einmal sehr gut aufgestellt. Wir haben ein neues Rechtsregime. Das muss sich nun bewähren. Es wäre sicherlich zu früh, nach zehn Monaten des Inkrafttretens bereits nach Modifikationen zu rufen.

Auf einen Blick

Im Skandal um Wirecard ist auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in den Fokus geraten. Kritiker sagen, die Behörde hätte die Unregelmäßigkeiten bei dem insolventen Zahlungsdienstleister früher erkennen müssen.

Anfang August hatte die Behörde gegenüber dem deutschen Immobilienkonzern Adler die Muskeln spielen lassen. Die Bilanz für 2019 sei um bis zu 233 Millionen Euro zu hoch angesetzt worden, hieß es in einem Zwischenbericht. Das Unternehmen will rechtlich gegen das Zwischenergebnis der laufenden Bafin-Untersuchung vorgehen.

Im August gab es eine Teilfehlerfeststellung zu Adler. Worum geht es da genau?