Midterms

Ringen um Mehrheit im US-Kongress könnte in Verlängerung gehen

Die US-Bürger haben gewählt - doch der Wahlkrimi könnte sich noch über Wochen hinziehen.
Die US-Bürger haben gewählt - doch der Wahlkrimi könnte sich noch über Wochen hinziehen.(c) Getty Images (Jim Vondruska)
  • Drucken

Im Repräsentantenhaus sieht es nach einem Sieg der Republikaner aus. Im Senat könnte die Entscheidung erst im Dezember fallen, denn in Georgia wird eine Stichwahl wahrscheinlich.

Nach dem Ausbleiben des "roten Tsunami" bei den US-Zwischenwahlen deutet sich ein langes Ringen um die künftigen Mehrheitsverhältnisse im Kongress an. Im Abgeordnetenhaus haben weiterhin die Republikaner die besten Karten, doch war das Rennen in mehreren offenen Wahlkreisen knapp. Eine Prognose des US-Senders NBC sah die Oppositionspartei mit 220 zu 215 Sitzen vorne. Im Senat dürfte die Entscheidung wohl erst am 6. Dezember fallen, wenn in Georgia eine Stichwahl stattfindet.

Abgeordnetenhaus:

Alle 435 Sitze in der größeren Parlamentskammer wurden am Dienstag neu gewählt. Die Demokraten hatten bisher eine Mehrheit von 222 zu 213 Sitzen. Wegen knapper Wahlausgänge war das Rennen in 40 Wahlkreisen noch offen. Nach Angaben des US-Senders ABC hatten die Republikaner 207 Sitze sicher, die Demokraten 188. Die Statistikseite "Fivethirtyeight" geht davon aus, dass es die Oppositionspartei nach Auszählung aller Wahlkreise über die magische Zahl von 218 Sitzen schaffen wird. Der Fokus lag dabei auf Wahlkreisen in New York, Arizona und Kalifornien. Die Demokraten müssten drei Viertel dieser Wahlkreise gewinnen, um die Republikaner noch abzufangen.

Senat:

Bisher stand es in der kleineren Parlamentskammer 50 zu 50, wobei die demokratische Vizepräsidentin Kamala Harris als Senatsvorsitzende bei Abstimmungen den Ausschlag gab. Weil die Senatoren eine Amtszeit von sechs Jahren haben, wird bei jeder Wahl nur jeweils ein Drittel der Sitze neu besetzt. 31 der 35 Senatswahlen vom Dienstag waren in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) bereits entschieden. Mit der Eroberung des bisher republikanisch gehaltenen Sitzes in Pennsylvania konnten die Demokraten ihre Position absichern. Da es 48 zu 48 stand, müssten die Republikaner drei der vier verbliebenen Rennen gewinnen, um die Machtverhältnisse zu drehen.

In Arizona war der demokratische Amtsinhaber Mark Kelly in Führung (52,1 zu 45,8 Prozent, 67 Prozent ausgezählt), in Nevada der republikanische Herausforderer Adam Laxalt (49,9 zu 47,2 Prozent, 80 Prozent ausgezählt), in Wisconsin der republikanische Amtsinhaber Ron Jonson (50,5 zu 49,3 Prozent, 94 Prozent ausgezählt). Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, läuft es wie schon bei der letzten Senatswahl im Jahr 2020 auf ein Entscheidungsrennen im Südstaat Georgia hinaus. Dort führte der damals gewählte demokratische Senator Raphael Warnock zwar, doch dürfte er fast sicher die nötige absolute Mehrheit verfehlen. Nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen hatte er 49,2 Prozent auf seinem Konto. Bestätigt sich dieses Ergebnis, wird am 6. Dezember eine Stichwahl zwischen ihm und dem Republikaner Herschel Walker notwendig sein.

Mitreden: Wird es ein Comeback von Trump geben?

Der Erdrutschsieg der Republikaner bei den Kongresswahlen in den USA blieb aus. Doch Ex-Präsident Trump arbeitet weiterhin an seiner Rückkehr. In welche Richtung werden sich die USA in den nächsten Jahren entwickeln? Diskutieren Sie mit!

(APA)

Mehr erfahren

DeSantis konnte sich mit einem Vorsprung von 57 zu 42 Prozent gegen seinen demokratischen Kontrahenten durchsetzen.
Midterms

Trump-Konkurrent DeSantis gewinnt Wiederwahl in Florida

Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, ist wie erwartet in seinem Amt bestätigt worden. Er gilt als stärkster Konkurrent von Ex-Präsident Donald Trump - und dieser droht ihm zugleich mit „unangenehmen Enthüllungen."
Die Kuppel des Kapitols in Washington, Sitz von Senat und Repräsentantenhaus.
Hintergrund

US-Kongresswahl: Wie das mächtigste Parlament der Welt gewählt wird

Die Abgeordneten des Repräsentantenhaus werden alle zwei Jahre komplett neu gewählt. Im Senat dauert eine Amtszeit sechs Jahre, bei den Midterms steht ein Drittel der Senatoren zur Wahl.
Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung von Marco Rubio in Florida.
USA-Midterms

Die Trump-Show hat begonnen

Ex-Präsident Trump will wieder ins Weiße Haus. Seine Partei steht vor einem ähnlichen Dilemma wie 2015.
Demokrat John Fetterman: Der umkämpfte Senatssitz in Pennsylvania wechselt zur Partei von Präsident Joe Biden, was die demokratische Hoffnung auf eine Mehrheit im Senat am Leben lässt.
Midterms

US-Republikaner gewinnen wichtiges Senatsrennen in Wisconsin, aber "rote Welle" bleibt aus

Die Republikaner holen noch einen Senatssitz in Wisconsin, jetzt fehlen noch die Ergebnisse aus Arizona, Nevada und Georgia. Im Repräsentantenhaus dürften die Republikaner die Mehrheit übernehmen, wenn auch mit knapperem Vorsprung als erhofft.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.