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"Mangelhafte Unterlagen"

"Gletscher-Ehe" zwischen Tiroler Ötztal und Pitztal offiziell zurückgewiesen

Seilbahngondeln in St. Leonhard im Tiroler Pitztal.
Seilbahngondeln in St. Leonhard im Tiroler Pitztal.GEPA pictures
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Fehlende Unterlagen, die bis Ende Oktober vorgelegt werden mussten, seien laut Land Tirol nicht eingelangt. Für das 130-Millionen-Euro-Projekt, mit drei neuen Seilbahnen, gab es deshalb eine Absage.

Das Ende der sogenannten Tiroler "Gletscher-Ehe" ist nun von der Behörde per Bescheid endgültig besiegelt worden. Der Antrag über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal wurde "wegen Mangelhaftigkeit der Unterlagen zurückgewiesen", hieß es in dem Bescheid, der den Projektwerbern Ende der vergangenen Woche zugestellt worden war.

Die Projektwerber hätten noch weitere, aktualisierte Unterlagen vorlegen müssen, die sich auf die "Abweichungen zwischen den tatsächlichen Verhältnissen vor Ort und den Darstellungen im Projekt, bedingt durch den fortschreitenden Gletscherrückgang" beziehen. Dies hätte - wie die "Tiroler Tageszeitung" vergangene Woche berichtete - bis zum 31. Oktober passieren müssen. Allerdings kamen die Pitztaler Gletscherbahn und Ötztaler Gletscherbahn dem nicht nach. Daher reagierte das Land nun mittels Absage-Bescheid. Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) über das Projekt, bei dem 130 Millionen Euro investiert und drei neue Seilbahnen und 60 Hektar zusätzliche Pisten vorgesehen gewesen wären, wurde 2016 gestartet.

Nichtzustandekommen bereits absehbar

Dass das Projekt nicht realisiert werden würde, war jedoch nach der Abstimmung der Pitztaler Bevölkerung über das Projekt schon recht eindeutig. Mit einer knappen Mehrheit sprachen sich im Juli die Bürgerinnen und Bürger der betroffenen Gemeinde St. Leonhard im Pitztal dagegen aus. Im Herbst wurde allerdings bekannt, dass der Verdacht auf Wahlbetrug besteht. Unterschriften sollen gefälscht bzw. Stimmkarten von anderen Personen als dem oder der jeweiligen Wahlberechtigten ausgefüllt worden seien, so der Vorwurf. 353 Wahlberechtigte hatten gegen den Zusammenschluss gestimmt. Fünf Wähler weniger, 348, hatten hingegen mit "Ja" votiert. Das Landeskriminalamt übernahm daraufhin die Ermittlungen. Staatsanwaltssprecher Hansjörg Mayr sagte am Mittwoch gegenüber der APA, dass diese Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

Der WWF nahm das Aus der Gletscher-Ehe zum Anlass, einen "Gletscherschutz ohne Ausnahmen" zu fordern. Das Gebiet müsse nun in das Schutzgebiet "Ruhegebiet Ötztaler Alpen" eingegliedert werden, sagte Ann-Kristin Winkler, Alpenschutzsprecherin des WWF Österreich. Es brauche außerdem "naturverträgliche Konzepte für den Tourismus". Der WWF wies darauf hin, dass heutige Gletschergebiete in Zukunft wichtige Rückzugsareale für kälteangepasste Tier- und Pflanzenarten sein werden, die aufgrund des Temperaturanstiegs in höhere Gebiete ausweichen müssen. Zudem sind unverbaute Freiräume auch für die Menschen wichtige Erholungsräume.

(apa)