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Pizzicato

Anruf auf dem stillen Örtchen

Dieser Tage warteten Hunderte hoch dotierter Fußballprofis in aller Welt auf den erlösenden Anruf ihres Teamchefs – wie manche Großschriftsteller alljährlich Anfang Oktober auf ein Telefonat des Nobelpreiskomitees aus Stockholm.

Ihre vorweihnachtliche Urlaubsplanung stand auf dem Spiel: Würden sie den Advent bei der WM im Morgenland verbringen? Oder könnten sie, ein paar Flugstunden entfernt, in ein Luxusresort auf die Malediven jetten?

In Deutschland fiel Hansi Flick die Aufgabe der Berufung in den WM-Kader für Katar zu – eigentlich Hans-Dieter und neben Tausendsassa und Oma-Schwarm Hinterseer der Einzige, der im fortgeschrittenen Alter Hansi gerufen wird. Ohne medialen Trommelwirbel ging das nicht ab, und schon Tage vorher stieg die Anspannung bei den Wackelkandidaten. Um den Anruf nicht zu verpassen, nahmen sie ihr Handy vermutlich auch auf das stille Örtchen mit.

So ähnlich muss es Maxwell Frost in Florida ergangen sein. Der 25-jährige Demokrat hatte bei den Kongresswahlen triumphiert. Noch am Wahlabend bekam er das Aviso aus dem Weißen Haus, dass sich demnächst der Präsident höchstselbst melden werde – um sicherzustellen, dass niemand Frost einen Streich spielen würde und er gleich auflegt. Ein Telefonat mit dem Präsidenten kündigt sich ja nicht mit der Hymne „Hail to the Chief“ an. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2022)