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Jede zweite Firma fürchtet Zerbrechen der Eurozone

(c) AP (MICHAEL PROBST)
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60 Prozent der heimischen Unternehmen bezweifeln in einer Umfrage, dass die angeschlagenen Euro-Problemländer Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland ihre Schulden noch in den Griff bekommen werden.

Wien. Die Schuldenkrise in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland sorgt zunehmend für Verunsicherung bei Österreichs Unternehmen. Im September gingen 37 Prozent der heimischen Firmen davon aus, dass die Eurokrise den Aufschwung in Österreich gefährdet. Nun sind es bereits knapp 60 Prozent. Ebenso viele Unternehmen bezweifeln, dass die angeschlagenen Euro-Staaten ihre Verschuldung in den Griff bekommen werden. Das geht aus dem aktuellen Vertrauensindex des Beratungsunternehmens Ernst & Young hervor, der vierteljährlich erscheint. Befragt wurden 200 österreichische Unternehmen. 31Prozent davon setzen jährlich mehr als 50 Mio. Euro um.

Mittleres, eher großes oder sehr großes Vertrauen in die Stabilität des Euro äußerten 60 Prozent der Befragten. Damit hat das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum September um 30 Prozentpunkte abgenommen. Die Angst um die Zukunft der Eurozone bereitet den Firmen wachsendes Kopfzerbrechen: 46 Prozent gaben sich besorgt wegen eines möglichen Auseinanderbrechens der Währungsunion. Im September äußerten noch 25 Prozent Bedenken in diese Richtung. Trotzdem ist ein Großteil der Unternehmen davon überzeugt, dass der Euro die Krise überstehen wird: 89 Prozent der Befragten rechnen damit, dass es den Euro mittelfristig noch geben wird.

Banken verlieren an Vertrauen

Am meisten für Verunsicherung sorgen steigende Energiepreise: 74Prozent der Befragten beobachten diese Entwicklung mit Sorge. 60Prozent bereitet die Staatsverschuldung Kopfzerbrechen. Die Angst vor einer Inflation ist weiter verbreitet als die Angst vor einer Deflation (siehe Grafik).

„Der in den vergangenen Quartalen gewonnene Optimismus verflüchtigt sich wieder“, sagt Helmut Maukner, bei Ernst & Young für Österreich zuständig. Fast alle Wirtschaftszweige mussten im Vergleich zum Herbst Vertrauenseinbußen hinnehmen. Das größte Vertrauen genießt die Industrie mit 82 Prozent – das sind um zehn Prozentpunkte weniger als im September. Weniger gut ist es um das Vertrauen der Firmen in den Bankensektor bestellt: Nur ein Prozent der Befragten sprach den Banken „sehr großes“ Vertrauen aus, zwölf Prozent bedachten sie mit „eher großem“ Vertrauen. Bei 37 Prozent genießen die Banken mittleres Vertrauen.

Auch die Staaten und Regierungen haben an unternehmerischem Vertrauen verloren, und zwar um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum September. 47 Prozent der Befragten sprachen den Staaten und Regierungen eher geringes bis gar kein Vertrauen aus. Das Vertrauen in die Zentralbanken hat seit September um 17 Prozentpunkte abgenommen – sie können sich jetzt noch auf das Vertrauen von 57 Prozent der Unternehmen stützen. Einzig an Vertrauen gewonnen haben seit der vergangenen Befragung Ratingagenturen und Regulatoren.

Ihre eigene Geschäftslage beurteilen 61 Prozent der Firmen positiv – im September waren es noch 71 Prozent. Damit hat sich die Einschätzung der eigenen Situation in Österreichs Unternehmen erstmals seit Februar nicht verbessert.

Auf einen Blick

60 Prozent der heimischen Firmen gehen davon aus, dass die Euro-Krise den Aufschwung in Österreich gefährdet. Im September waren es noch 37Prozent. Das geht aus dem Vertrauensindex der Beraterfirma Ernst & Young hervor. Das Vertrauen der Unternehmen in den Euro hat seit September um 30Prozentpunkte abgenommen. Nun vertrauen noch 60 Prozent der Befragten in die Stabilität der Gemeinschaftswährung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2010)