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Galante Spielformen der Konversation, auf die man sich geeinigt hat. Szene aus dem Großen Salon des Café Frascati in Paris von Philibert Louis Debucourt.
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Kultur der Eleganz

Wie wir Höflichkeit und Eleganz lernten

Vor mehr als 400 Jahren nahm in den Salons der feinen Gesellschaft die Kultur der Eleganz ihren Anfang, und zwar in der Form des zivilisierten Gesprächs, das alle Beteiligten bereicherte. Eine Ehrenrettung des gekonnt inszenierten Auftritts.

Eine Kultur des offenen Worts haben wir heute mehr, als uns oft lieb ist. Niemandem ist verwehrt, seine ungeschminkte Meinung dem Rest der Menschheit aufzudrängen. Die Bereitschaft, sich auf die anderen einzulassen, zu erfassen, worum es ihnen geht, fehlt hingegen weitgehend. Mit gewandten Worten, aufmerksam und feinfühlig, auf die Worte des Gegenübers zu reagieren, würde die Welt besser, und wenn schon nicht das, dann angenehmer und schöner machen. Leider ist uns das abhandengekommen. Die Menschen bleiben unter ihren Möglichkeiten, moralisch und intellektuell. Sie könnten einfühlsamer und ehrlicher sein. Und weil sie nicht mehr höflich sind, sind sie auch weniger elegant.

Gedanken wie diese sind dem Autor Kersten Knipp bei der Lektüre der französischen Moralisten des 16. und 17. Jahrhunderts gekommen. Wie und was die Menschen damals miteinander gesprochen haben, wissen wir nicht. Beziehungsweise wissen wir es nur, wenn es schriftlich festgehalten wurde. Die Bücher liefern bewundernswerte Analysen der sozialen Realität, sie sind amüsant und scharfsinnig formuliert und berichten uns von einer Kultur der Eleganz, von galanten Spielformen der Konversation, auf die sich die Männer und Frauen der Zeit geeinigt haben.