Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Klima:Wandel

Nicht genug Platz für all die guten Bäume

Ein Baum muss zwanzig Jahre alt werden, um so viel CO2 zu binden wie versprochen.
Ein Baum muss zwanzig Jahre alt werden, um so viel CO2 zu binden wie versprochen.Getty Images
  • Drucken

Wollt ihr uns pflanzen? Konzerne und Staaten geben viel Geld aus, um Klimasünden zu kompensieren. Doch Deals nach dem Motto „Bäume für Emissionen“ halten nicht, was sie versprechen.

Bäume pflanzen ist wieder in. Beim ATP-Tennisturnier in der Wiener Stadthalle spendierte der Sponsor für jedes geschlagene Ass zehn Bäume. Der Ölkonzern Shell lässt 26 Millionen Euro für Aufforstungsprojekte springen, um jene 120 Millionen Tonnen an CO2 auszugleichen, die er jedes Jahr emittiert. Airlines lassen ihre Passagiere gegen einen kleinen Aufpreis die Umweltschäden, die ihre Flugreise verursacht, vergessen. Wenn man die eigenen Emissionen schon nicht verhindern kann oder will, kann man ja andere dafür bezahlen, es zu tun, so die Idee dahinter. Der Markt für CO2-Kompensationen boomt.

Nicht nur Unternehmen haben das „Carbon Offsetting“ als bequemen Weg aus der Klimakrise für sich entdeckt. Auch die meisten Staaten, die dieser Tage bei der Weltklimakonferenz in Ägypten zusammentreffen, verlassen sich bei der Erreichung ihrer Klimaschutzziele oft auf CO2-Kompensation. Das Problem: Die schöne Theorie hinter vielen Projekten fällt in der Praxis oft rasch in sich zusammen. Die Universität Melbourne hat sich die Mühe gemacht, nachzurechnen, wie viel Land eigentlich notwendig wäre, um alle Bäume zu pflanzen, die die Staaten in ihren nationalen Klimaschutzplänen als Ausgleich für ihre Emissionen vorgesehen haben. Das Ergebnis: Die Länder bräuchten dafür 1,2 Milliarden Hektar Land – mehr als die gesamte Fläche der Vereinigten Staaten. Doch so viel freies Land gibt es nicht. 65 Prozent der 1,2 Milliarden Hektar an Wäldern in spe werden heute von Menschen bewohnt oder landwirtschaftlich genutzt. Dabei sind die privaten Ambitionen vieler Konzerne noch gar nicht miteingerechnet. Wollen alleine Total, Shell, Eni und BP ihre Klimaziele bis 2050 erreichen, bräuchten sie weitere 70 Millionen Hektar Land.