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Gastbeitrag

Vom ästhetischen „Fortschritt“ zurückgelassen

(c) Peter Kufner
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Von Basquiat-Werken und Theaterstücken zur Klimakrise oder Polyamorie. Bekenntnisse eines alten Kulturkonservativen.

Der Autor

Fritz Peter Knapp (* 1944 in Wien) war ab 1976 Professor für Ältere deutsche Sprache und Literatur an den Universitäten Wien, Passau, Kiel und zuletzt bis zur Emeritierung 2009 Ordinarius in Heidelberg. Er ist Mitglied der Heidelberger und Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er lebt im Ruhestand wieder in Wien.

Da hat sich der Direktor der Albertina ja richtig ins Zeug gelegt, um den Leuten die epochale Bedeutung von Jean-Michel Basquiat zum Bewusstsein zu bringen! Leider wurden im Fernsehen dazu auch Werke des gerühmten Meisters präsentiert. Der rückständige, unbelehrbare Betrachter wendet sich rasch von diesem angeblich sozialpolitisch und künstlerisch so revolutionären, aber grässlichen Gekritzel und Geschmiere ab und einem hübschen Landschaftsbild zu, das zu Hause an der Wand hängt, auch wenn es natürlich kein echter Ruysdael oder Van Gogh ist.

Dann schlägt er die Zeitung auf und liest von Erstaufführungen neuer Theaterstücke über Probleme intersexueller, polyamouröser, drogenabhängiger oder irgendwie sozial desintegrierter Personen, über den Weltuntergang durch Klimaerwärmung, schließlich neuer Bearbeitungen alter Dramen. Wenn da ein Stück einmal nicht als „nach Shakespeare, nach Schnitzler“ etc. angekündigt ist, kann man das alte Schauspiel meist nicht leichter wiedererkennen.