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Kolumne zum Tag

Das Ende meiner belgischen Fußballliebe

Vor einem Jahrzehnt fand ich Belgiens Kicker aufregend: das Nationalteam ebenso wie die Liga. Heute stößt mich diese ab, jene sind nur ein Schatten ihrer einstigen Größe.

Gehst Du in Brüssel eigentlich noch ab und zu auf ein Match, fragen mich bisweilen meine alten Haberer aus Wien. Nein, muss ich ich ihnen dann stets antworten, beziehungsweise: Das ist schon lange her. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt einem belgischen Fußballspiel vor Ort beigewohnt hätte. Und eigentlich ist er mir auch ziemlich egal geworden, der belgische Fußball. Vor einem Jahrzehnt war das noch anders. Da hatte das Königreich für alle ballesterischen Vorlieben etwas im Füllhorn. Wer sich im Widerstand zum „Kommerzfußball“, als Hipster deklarieren wollte, konnte das jedes zweite Wochenende in der malerischen Arena der Royal Union Saint-Gilloise tun, bei Blunzen, Bier, und mäßigem, aber „ehrlichem“ Zweitligagekicke (ich bekenne mich dazu, mehrere Kolumnen über die „Vienna von Brüssel“ bezeugen es). Die belgischen Spitzenklubs wie Anderlecht, Brügge oder Lüttich waren zwar meilenweit von ihrer glorreichen Vergangenheit entfernt, ihre Nachwuchsarbeit brachte aber jede Saison tolle Jungstars heraus; so sah ich den 16-jährigen Romelu Lukaku und wusste sofort: der wird ein Guter. Und das Nationalteam, die „Roten Teufel“, wuchsen zur Nummer eins der Fifa-Rangliste heran.

Heute sind die Blaugelben von Saint-Gilles, seit sie von einem englischen Investor übernommen wurden, zwar sehr gut und spielen in der Europa League, der selbstironische Charme, mit 900 anderen an einem Sonntagnachmittag Amateurfußball im Schatten vergangener Glorie zu feiern, ist aber futsch. Die Vereine stecken fast alle tief in einem großen Finanzskandal (googlen Sie „Footbelgate“), echte Jungstars produzieren sie kaum mehr (der junge Brügger Charles de Ketelaere muss sich bei Milan erst beweisen). Hingegen sorgen ihre Fans für Gewaltaus- und Spielabbrüche, jüngste jene von Charleroi (weil sie ihren eigenen Präsidenten wegputschen wollen). Und die Roten Teufel? Die sind alt und lahm geworden. Sic transit gloria mundi: ich muss mir wohl einen neuen Sport suchen.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com