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Morgenglosse

Bei dieser Trump-Show müssen alle zusehen

US-POLITICS-TRUMP
Genießt den Applaus: Donald Trump am Dienstagabend in Mar-a-Lago(c) APA/AFP/ALON SKUY (ALON SKUY)
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Seine Show muss weitergehen, koste es, was es wolle: ob Wahlkampfmillionen, Wählerstimmen - oder demokratische Grundsätze.

Es ist ein kurzer Clip, den eine Reporterin aus dem Ballsaal in Mar-a-Lago auf Twitter teilt. Donald Trump, Ex-Präsident und Wieder-Kandidat, steht vorn auf der Bühne, er hat gerade seine Kandidatur für das Weiße Haus bekannt gegeben; seine Rede geht über eine Stunde lang. Um den Ausgang herum hat sich in der Zwischenzeit eine Menschentraube gebildet, Frauen in blauen und roten Kleidern sind zu sehen, Männer in Anzügen. Einer davon hat seinen Rücken zur Bühne gedreht, und macht mehrmals eine Geste: Mit der flachen Hand fährt er sich über den Hals. Er möchte sich die Kehle aufschlitzen. Die Leute wollen raus aus dem Saal, bevor Trump seine Rede überhaupt fertig gehalten hat. Doch die Securitys lassen sie nicht.

Besser könnte das Bild nicht sein für das, was Donald Trump mit seinen (früheren) Wählern, mit der republikanischen Partei, letztlich mit den USA, ja, der Welt, aufführt. Das ist seine Show, und alle müssen zuschauen. Egal, ob sie wollen oder nicht. Medial hält Trump seit 2015 Land und Leute in Geiselhaft. Wie geht die berühmte Zeile von „Hotel California“? „You can check out any time you like“, singt Don Henley, „but you can never leave.“

Die Leute, die da am Ausgang warten - sie sind sinnbildlich für die meisten in Amerika. Die republikanische Partei, die sich seit Trumps Wahlsieg 2016 in unbedingtem Gehorsam geübt hat, könnte möglicherweise - nach dem mauen Ergebnis bei den Midterm-Wahlen vergangene Woche - wirklich erstmals abrücken von jenem Mann, der dem Land politische Spaltung, Paranoia und Verschwörungstheorien aufgedrückt hat. 2021, nach dem Sturm auf das Kapitol, hatte die Partei offenbar weder Kraft noch Rückgrat dafür. Nun bäumt sie sich auf: Mit Ron DeSantis scheint endlich der Mann gefunden, der Trumps populäre Politik machen kann - und nicht Trump heißt. („We are all just prisoners here“, heißt es in dem Eagles-Lied, „of our own device.“)

Die Frage ist, ob Trump letztlich die Türen zum Ausgang aufmachen lässt. Sein Auftritt am Dienstag war ein Indikator dafür, dass der Ex-Präsident vor allem für eine Sache kämpfen wird: dass die Show weitergeht. Seine Show. Koste es, was es wolle, ob Wahlkampfmillionen, demokratischen Diskurs, oder Wählerstimmen.