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Sparvariante: Wien-Umfahrung auf der langen Bank

Für die S1 östlich von Wien wird derzeit eine abgespeckte Variante diskutiert: Der teure Lobautunnel soll demnach auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Wien. Bis zu 200.000Fahrzeuge fahren täglich über die Wiener Südosttangente – eine Frequenz, die mehr als doppelt so hoch ist wie jene, für die die meistbefahrene Straße Österreichs ursprünglich geplant war.

Ein Zustand, der offenbar noch länger Bestand haben wird: Denn in Verhandlungen zwischen Infrastrukturministerium, der Autobahnerrichtungs- und -betreibergesellschaft Asfinag sowie den Ländern Wien und Niederösterreich wird derzeit eine Variante diskutiert, die die Entlastung der Tangente in weite Ferne rückt.

Der Lückenschluss der S1, des Teils der Wiener „Regionenring“-Autobahnumfahrung östlich von Wien, der jene Autos, die Ziele außerhalb der Stadt anfahren, von der Tangente wegbringen soll, wird sich demnach noch weiter verzögern: Einerseits, weil der Lobautunnel, der die Straße unter der Donau durchführen sollte, den Großteil der projektierten Kosten von 1,7Milliarden Euro ausmachen würde – Geld, das bei der Asfinag derzeit knapp ist.

Andererseits ist mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakous Grünen derzeit eine Fraktion in der Wiener Stadtregierung vertreten, die den Lobautunnel ablehnt, weil er unterhalb des empfindlichen Nationalparks Donauauen verlaufen würde. Vassilakou, die als Verkehrsstadträtin eine gewichtige Rolle in den Verhandlungen um den Autobahnbau hat, will die Wiener über den Tunnel befragen lassen – und das Projekt nur im Fall einer Zustimmung unterstützen. Eine unberechenbare Unsicherheit, mit der die Asfinag angesichts der finanziellen Dimension des Projekts nicht rechnen kann und will.

 

Teilprojekt nördlich der Donau

Daher wird derzeit eine Kompromissvariante diskutiert, wie ein Asfinag-Sprecher bestätigt: Eine billige „Teilrealisierung“ der S1, die deren wichtigste Funktion, den Lückenschluss im Regionenring, außen vor lässt. Gebaut würde damit nur jener Teil der S1 nördlich der Donau (siehe Grafik oben), um Stadtentwicklungsgebiete im Nordosten (wie die „Seestadt“ Aspern) zu erschließen und eine Verbindung zur geplanten Marchfeldschnellstraße S8 herzustellen.

Diese Variante wäre mangels eines Tunnels nicht nur signifikant billiger, sondern auch politisch wesentlich einfacher durchzusetzen. Ein Lückenschluss im Regionenring wäre außerdem nur aufgeschoben, nicht aufgehoben: Wenn die politischen Verhältnisse sich ändern sollten – oder der Druck auf der Tangente unerträglich wird–, könnte das Lobautunnelprojekt wieder ausgegraben werden.

Ein Realisierungsdatum für die Bauarbeiten an der S1 – derzeit klafft im Regionenring noch eine Lücke von 17 Kilometern zwischen Schwechat und Süßenbrunn – will derzeit aber noch niemand geben: Parallel zu den Verhandlungen läuft derzeit auch die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt – mit offenem Ausgang.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2010)