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Geschäftsflächen

Leerstehende Lokale kommen teuer zu stehen

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Mit städtischen Mietförderungen wird gegen den Leerstand angekämpft(c) Getty Images
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Hohe Leerstandsraten werden in Teilen Wiens und anderer Landeshauptstädte zunehmend zum volkswirtschaftlichen Problem. Für Belebung sollen Förderprogramme sorgen, die neuerdings ganze Grätzel im Fokus haben.

Rund 350 Geschäftslokale stehen in Wien leer. Laut Statistik der Wirtschaftskammer Wien ist die Innenstadt am stärksten betroffen. Aber auch in den Bezirken Landstraße, Favoriten, Hernals, Floridsdorf, Donaustadt oder Liesing übersteigt das Angebot die Nachfrage. Dass die Lokalitäten oftmals in einem schlechten Zustand sind, würde das mangelnde Interesse daran erklären. Es gibt aber auch andere Gründe.

Bundesweites Problem

„Sehr viele Leerstehungen rühren daher, dass die Hausbesitzer Lokale nicht hergeben wollen. Sie lassen diese lieber leer stehen, als dass sie fremde Leute im Haus haben“, sagt Erwin Bugkel, Betreiber eines Papier- und Bürowarengeschäfts in Hernals. Wien steht mit solchen oder ähnlichen Problemen nicht alleine da.

In Linz zeigt sich in der City ein ähnliches Bild. Bereits über 40 leerstehende Geschäftslokale werden alleine in der Linzer Landstraße gezählt, Tendenz steigend. Zu den Sorgenkindern gehört beispielhaft die seit zweieinhalb Jahren geschlossenen Kleider Bauer Filiale. Bauliche Mängel dienten 2019 als Schließungsgrund, danach tobte ein Rechtsstreit zwischen Mieter und Hauseigentümer. Von fünf Jahren Dauer-Leerstand war seit 2017 auch der ehemalige Texhages-Standort betroffen. Hier scheint eine Lösung nun in Sicht. Nach einer Sanierung des Hauses werden laut Newsmeldung des örtlichen Stadtmagazins Linza! die ehemals 1450 Quadratmeter großen Verkaufsflächen allerdings auf rund 600 Quadratmeter schrumpfen. Neu hinzu kommen Büro- und Wohnräume.

Rund 100 Kilometer weiter westlich ist die Lage ebenfalls nicht rosig. Mehr als 40 von 618 Geschäften stehen in der Salzburger Innenstadt leer. Die Leerstandsrate ist im Vergleich der Landeshauptstädte die dritthöchste nach Wien und Klagenfurt. Die Entwicklung ist mittlerweile an den sinkenden Mietpreisen abzulesen. Seit 2020 gehen diese zurück, die Pandemie lässt grüßen.

Volkswirtschaftlicher Schaden

Was der Wirtschaft dabei alles entgeht, hat vor einigen Monaten die Wirtschaftskammer Wien (WKW) berechnet. „Der aktuelle Stand an 350 freien Lokalen birgt jährlich einen potenziellen Bruttoumsatz in Höhe von etwa 300 Millionen Euro. Das bedeutet einen Beitrag zum Wiener Bruttoregionalprodukt von 240 Millionen Euro sowie auch rund 2900 Arbeitsplätze , stellen Margarete Gumprecht, Spartenobfrau Handel, und Martin Heimhilcher, Spartenobmann Information und Consulting, fest. Man könnte es auch als Potenzial bezeichnen. Das Interesse der Stadtverantwortlichen an einem Rückgang des Leerstands ist dementsprechend groß.

Belebung fördern

In Wien hat man 2021 die Förderschiene „Geschäftsbelebung Jetzt!“ ins Leben gerufen („Die Presse“ berichtete). Die Förderung ist mit 25.000 Euro gedeckelt, die Förderquote beträgt 50 Prozent. „Das heißt, dass jeder Euro, den ein Unternehmen in eine Adaption eines leerstehenden Lokals investiert, von uns verdoppelt wird“, erklärt Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien.
Kürzlich wurde ein neues Projekt ins Leben gerufen. Erstmals wird nicht bloß ein einzelnes Geschäft gefördert, sondern gleich ein Grätzel. Das Programm Grätzelinitiative Ottakring zielt auf Kleinbetriebe mit unter 50 Beschäftigen sowie Gründer ab, die im Kern- oder erweiterten Kernprojektgebiet im 16. Bezirk in einem Erdgeschoßlokal ansässig sind. Bei Übernahme eines Leerstandes werden unter anderem sechs Monate lang die Mietkosten zur Gänze übernommen. Projekteinreichungen können seit 1. Oktober und bis Ende 2023 getätigt werden. Die Bewertung der Anträge erfolgt durch Experten der Wirtschaftsagentur Wien. die ein weiteres Angebot in Ottakring in Planung hat: Die Bewerbung von Geschäftslokalen in einem von der Agentur angemieteten Erdgeschoßlokal mit geförderter Untermiete.

Wiener Leerstand

City. Die Innere Stadt ist laut Zahlen der Wirtschaftskammer Wien (WKW) der Bezirk mit den meisten leerstehenden Geschäftsflächen. Als Gründe sieht die WKW einerseits den schlechten baulichen Zustand vieler Objekte, inklusiver fehlender Barrierefreiheit, und andererseits die hohen Mietpreise in der City, die vor allem abseits der Touristenpfade abschreckend wirken. Dass die Nachfrage nach Erdgeschoßlokalen in vielen Teilen Wiens rückläufig ist, hat übrigens nicht nur mit der Pandemie zu tun. Laut WKW werde seit geraumer Zeit generell in jenen Branchen verstärkt gegründet, in denen ein klassisches Geschäftslokal nicht mehr vonnöten ist.