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New-Work-Place

Das Büro als Tankstelle für Identität

3D image of a environmentally friendly office space
Offene Bürolandschaften als Räume der Kommunikation werden schon länger herbeigeredet. Die Pandemie gilt als Treiber der baldigen Umsetzung.(c) Getty Images
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Die Verbreitung von hybriden Arbeitsmodellen wirkt sich auf den Bedarf an Büroflächen und deren Gestaltung aus. Bevor Unternehmer den Flächenrotstift ansetzen, sollten sie laut Experten das Wort Raum neu überdenken.

New-Work-Ansätze verändern die Arbeitswelt. Das war schon vor der Pandemie so, aber die Covid-Krise hat das Tempo der Veränderungen deutlich erhöht. Die Ansprüche an moderne Büroflächen sind mit der Erkenntnis gewachsen, dass es auch – zumindest zeitweise – ohne Büro geht.

Büro sucht Profil

„Wir sind überzeugt, dass das Büro in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen wird. Aber: Es wird wichtiger und unwichtiger zugleich“, heißt es etwa im Workspace Benchmark Report des Immobilien-Beratungsunternehmens Drees & Sommer. In dem Maße, wie sich selbstbestimmtes Arbeiten, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Well-Being im Home-Office und an anderen Orten erleben lassen, steige auch die Notwendigkeit nach einem klaren Profil des Büros als zentrale Anlaufstelle.

Unternehmen sind dazu angehalten, sich dringend Gedanken darüber zu machen, wie sich die Arbeitsfläche fortan mehrdimensionaler gestalten lässt. Spätestens seit den Home-Office-Erfahrungen ist die Bereitschaft von Mitarbeitern, Abstriche zu machen, drastisch gesunken. „In der neuen Arbeitswelt bleibt das Büro die entscheidende Option unter vielen. Es dient als Tankstelle für Identität und Integrität“, meint Martin Becker, Partner bei Drees & Sommer und Experte für New Work.

Wir-Raum statt Ich-Raum

„Die Veränderung des Verständnisses von Raum“ nennt es der Immobiliendienstleister CBRE in seinem aktuellen Bericht „10 High-Impact Moves to Reduce Total Cost of Occupancy“. Bevor die Verantwortlichen von Corporate Real Estate & Facilities erhebliche Flächen abbauen, sollten sie zunächst untersuchen, wie sich neue Arbeitsformen auf die Flächennachfrage im gesamten Portfolio auswirken.

Dieser Prozess beginnt mit der Festlegung neuer Raumstandards. Als wahrscheinlich wird angesehen, dass an zukünftigen Arbeitsplätzen weniger privater Arbeitsraum („Ich-Raum ) und mehr gemeinsam genutzter, kollaborativer Teamraum („Wir-Raum ) erforderlich ist.

„Unternehmen müssen einen neuen Standard für ihren Flächenbedarf entwickeln, der hybrides Arbeiten mitdenkt“, sagt dazu Patrick Schild, Head of Agency + Sector Office bei CBRE Österreich. „Klar ist: in Zukunft werden flexiblere Flächen benötigt.“ Die Grundlage für eine ökonomisch sinnvolle Entscheidung seien dabei Daten und smarte Software-Lösungen, mit deren Hilfe die genaue Auslastung und damit der Bedarf ermittelt werden kann. „So können nicht nur Kosten, sondern auch der ökologische Fußabdruck reduziert werden“, betont Schild.

„Your office is where you are.“

Als Konzept, um Freude bei der Arbeit zu tanken, versteht sich beispielsweise das in den Niederlanden entwickelte Prinzip Activity Based Working. Das tätigkeitsorientierte Büro besticht durch große, offene und flexible Büroräume, die sich nach Bedarf leicht umgestalten lassen. Der Gedanke dahinter: Jeder Mitarbeiter ist eine Ressource voller Wissen und Erfahrung und die Infrastruktur ist dazu da, diese Ressource bestmöglich einzusetzen.

Was es dazu braucht, sind Büros, in denen die Menschen leichter miteinander in Kontakt kommen und den der jeweiligen Aufgabe entsprechenden Arbeitsplatz wählen können. Gefördert wird eine lebendige, kreative, flexible und kollaborative Arbeitsweise, die das Vertrauen ins Unternehmen stärkt, das Commitment erhöht und die Eigenverantwortung fördert.

Aktivitätsbasiert in Wien

Beim Wiener Entwickler und Betreiber innovativer Immobilien und Stadtquartiere, Value One, setzt man bereits heute auf rund 60 Prozent Activity Based Working-Flächen. Der Sorge „Ich finde mein Team nicht“ wird mit einem internen Chat-Tool für eine leichte Kommunikation innerhalb des Teams begegnet, das nebenher auch die Buchungen von Räumen wesentlich vereinfacht.
Wie das in der Praxis aussieht, kann man in Österreichs Bundeshauptstadt beispielhaft am Bürokonzept der Tribünen im Stadtquartier Viertel Zwei ersehen. „Das ist eine neue Arbeitslandschaft, die für unterschiedliche Aktivitäten das ideale Umfeld bietet, egal ob kreatives Miteinander oder fokussiertes konzentriertes Arbeiten“, sagt Andreas Köttl zu dem Projekt, das laut dem Value One CEO kulturelle Akzente (Verbindung historischer Substanz mit Neubauten) ebenso setzt wie ökologische und soziale, Stichwort Gemeinschaftsflächen.

Smarte Raumfindung

Büro. In Zukunft werden nicht unbedingt weniger, mit Sicherheit aber flexiblere Büroflächen benötigt. Einzelarbeitsplätze dürften an Relevanz weiter verlieren, während gemeinschaftlich genutzte Räumlichkeiten an Bedeutung zulegen. Wer im Unternehmen Räume neu gestaltet sowie effektiver Prozesse und Strukturen schafft, kann laut Workplace Consulting-Experten einen großen Anteil zur Verbesserung der Kosteneffizienz beitragen. Notwendig scheint dafür eine übersichtliche, ganzheitliche Organisation sowie der Einsatz smarter Software-Lösungen zu sein.