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Einspruch

Schillers faulige Äpfel: Führte uns Goethe in die Irre?

Äpfel dufteten in früheren Jahrhunderten viel mehr. Und auch schon angefaulte Äpfel in Schillers Schublade konnten noch einige Zeit lang riechen wie frische.(c) imago images/imagebroker (imageBROKER/Helmut Hess via www.imago-images.de)
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Bei Marcel Proust bringt der Madeleine-Duft die Kindheit zurück. Warum inspirierte Schiller ein Fäulnisgeruch? Vielleicht, weil es gar keiner war.

Man riecht, schmeckt, hört etwas – und eine Welt erscheint. Eine versunkene Welt. Das ist der Madeleine-Effekt, sogar Hirnforscher nennen ihn so. Lang bevor man herausgefunden hat, dass der Geruchssinn besonders unmittelbar mit unserem Gedächtnis verbunden ist, hat man in Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erlebt, wie der Geruch und Geschmack des ovalen Sandgebäcks, in Tee getunkt, im Erzähler Erinnerungen an seine Kindheit freisetzen – als würde tief im Innersten ein Anker gelichtet. Unebene Pflastersteine, über die man stolpert, das Gefühl einer gestärkten Serviette an den Lippen – auch das löst später Erinnerungen aus –, aber nichts so stark wie der Duft der Madeleine.

Wozu aber brauchte Friedrich Schiller faulige Äpfel? Goethe erzählt, ihm sei an Schillers Schreibtisch übel geworden, wegen des Geruchs fauler Äpfel in einer Schublade. Schillers Frau habe ihm dann gesagt, dass Schiller ohne diesen Geruch „nicht leben und arbeiten kann“.