Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Sensortechnologie

Schmuggler an der grünen Grenze finden

Ein neues Monitoring hat selbst im dichten Wald den Durchblick: Es kann sehen, lauschen und fühlen. So hilft es unter anderem der Polizei bei der Aufdeckung illegaler Taten und sammelt auch Umweltdaten.

„In den Wald hineinschauen“, und zwar mit modernster Sensortechnik und präzisen Analysemethoden – das will ein Forschungsteam des AIT (Austrian Institute of Technology). Unter Leitung von Andreas Kriechbaum-Zabini vom Center for Digital Safety and Security entwickelte es mit Partnern aus mehreren europäischen Ländern im EU-geförderten Forschungsprojekt „Foldout“ ein Beobachtungssystem, das Vorgänge in unwegsamem und baumbewachsenem Gelände wahrnehmen und deuten kann. „Herkömmliche Systeme stoßen da an ihre Limits“, erläutert der Sensorexperte. Das liege zum einen daran, dass die Vegetation Kameras den Blick verstellt, zum anderen aber auch daran, dass in der freien Natur oft keine taugliche IT-Infrastruktur einschließlich Stromversorgung vorhanden ist.

„Wir haben daher eine transportable Technologie entwickelt, die nicht nur aus Kameras, sondern aus einem Netzwerk an Sensoren besteht, und die auch so energiesparend ist, dass sie unter den meisten Wetterbedingungen mit Batterien das Auslangen findet“, sagt Kriechbaum-Zabini. Um die Umgebung im bewaldeten Gelände wahrzunehmen, werden optische Sensoren durch solche erweitert, die Geräusche erfassen oder Erschütterungen registrieren. „Auch Infrarot und Radiofrequenzanalysen kommen zum Einsatz“, erklärt Kriechbaum-Zabini. Das AIT war im Projekt insbesondere für die Entwicklung von Bodensensoren verantwortlich, als weiterer österreichischer Partner beteiligte sich das Wiener Technologiemanagement-Unternehmen Eutema Research Services.

In Not Geratene aufspüren

Die Auswertung der Sensordaten erfolgt mithilfe spezieller Algorithmen. Sie sind in der Lage, Menschen, Tiere oder Fahrzeuge und deren Bewegungen im Wald zu erkennen, auch wenn die Sensoren aufgrund der Gelände-Gegebenheiten nur fragmentarische Werte liefern. Bei umfangreichen Einsätzen befindet sich auch eine transportable Kommando- und Kontrolleinheit vor Ort, in der die Daten für die weitere Analyse gebündelt werden. „Der Datenschutz ist dabei wichtig. Es geht nicht darum, bestimmte Personen zu identifizieren, sondern darum, verdächtige Tätigkeiten im Gelände wahrzunehmen.“ Weitere Herausforderungen bestanden darin, ein robustes System zu entwickeln, das bei allen Wetterbedingungen zuverlässige Erkenntnisse liefert, flexible, kostengünstige Einsätze erlaubt, und das vor Ort in bereits bestehende Beobachtungssysteme eingebunden werden kann.

Möglichkeiten für den praktischen Einsatz? „Im Projekt haben wir den Fokus auf Szenarien in der Nähe von Staatsgrenzen gelegt, beispielsweise auf das Aufspüren von Schmuggeltätigkeiten oder illegalen Grenzübertritten. Da kann unser Tool eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Grenzpolizei darstellen.“ Aber auch bei der Rettung von Personen, die im alpinen Gelände in Not geraten, könne die Technik Anwendung finden.

Darüber hinaus eigne sich das System zum Umweltmonitoring und sei in der Lage, zur Bewältigung der Klimakrise beizutragen, sagt Kriechbaum-Zabini. Veränderungen in der Vegetation – etwa das Ausdünnen des Baumbestandes – oder Waldbrände könnten automatisiert erkannt werden, sowie Veränderungen der Pegelstände von Flüssen: „Viel kleinräumiger und detaillierter, als es über Satellitenbeobachtung möglich ist.“

In Zahlen

4 Millionen Hektar Wald gibt es in Österreich (etwa 48 % der Fläche). Die Waldfläche ist in 50 Jahren um rund 0,3 Millionen Hektar größer geworden. Nur drei Prozent des Waldes gelten als vom Menschen unberührt.

3,5 Milliarden Bäume aus 65 Baumarten stehen in den heimischen Wäldern (400/Einwohner), davon sind zwei Mrd. Fichten.