14 Stunden mit Feldman und Baselitz in der Albertina, drei Siegerwerke des Erste-Bank-Preises im Konzerthaus.
Musikgeschichte wurde und wird von alters her gern in Anekdoten erzählt, und das hat sich im 20. Jahrhundert nicht geändert. Also: Eine Nacht lang war Karlheinz Stockhausen über Partituren von Morton Feldman gesessen, über dessen sparsam, sanft und absichtslos auf die Zeitleinwand gemalten Tönen, die eine rätselhafte Aura verströmen. „Ich weiß, du hast kein System“, fragte Stockhausen dann in der Früh, „aber was ist dein Geheimnis?“ Feldmans lakonische Antwort: „Don't push the sounds.“ Darauf Stockhausen: „Not even a little bit?“
Wie man Klänge in Frieden lassen oder sie nach Belieben herumschubsen kann, sie einrahmen, durchkneten, drangsalieren oder auf den Kopf stellen, das war am Donnerstag bei Wien modern zum Teil an zwei Orten gleichzeitig und auf mehreren Ebenen zu erleben. In der Pfeilerhalle der Albertina und in zwei angrenzenden Räumen fand das Finale der dem Maler und Bildhauer Georg Baselitz gewidmeten „Musikverein-Perspektiven“ statt: Ein wahrlich dickes Ende, nämlich eine rund 14-stündige Performance.