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Ein Ort für zeitgenössische Kunst aller Sparten: die Galerija Cukrarna in Ljubljana, ehemals Zuckerfabrik.
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Architektur

Kunst, wo einst die Obdachlosen schliefen

In Ljubljana wurde eine denkmalgeschützte ehemalige Zuckerfabrik und Militärbaracke zur Galerija Cukrarna umgebaut. Die Stadt weiß um ihr architektonisches Erbe: Es bestimmt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft der Stadt.

Die Cukrarna in Ljubljana ist ein mächtiger Bau. Jeder kennt sie. Jahrzehntelang eine Ruine mit abgeschlagenen Mauern, leuchtet sie nun frisch verputzt in der Sonne. 85 Meter lang, 25 Meter hoch, thront sie am Südufer der Ljublanica. CU-KR-AR-NA steht auf den Türblättern aus Schwarzstahl, in den hellen Putz sind die Fugen eingeritzt, reduziert und edel. Südseitig ragt ein Mittelrisalit etwa zehn Meter aus dem Gebäude, seine sattelbedachte Stirnseite wendet je sechs Fenster und drei große Torbögen dem südlichen Hinterland zu. Das coole, zweigeschoßige Museumscafé mit Bühne und Bar ist ein angesagter Ort, viele Tische stehen draußen auf dem neu gestalteten Platz mit den Sitzstufen. So bleibt das Museum offen für die Stadt.

2009 gewannen die slowenischen Architekten Scapelab den internationalen, offenen Wettbewerb zur Sanierung der einstigen Zuckerfabrik mit einer radikalen Idee. Sie entkernten den denkmalgeschützten Bestand bis auf die Außenmauern und stellten eine weitgehend autonome Struktur so in den leeren Raum, dass dessen gewaltige Dimensionen spürbar bleiben. Aus einer einsturzgefährdeten Ruine wurde ein Ort für zeitgenössische Kunst aller Sparten: die Galerija Cukrarna. 1828 errichtet, war die Cukrarna eine der ersten und größten Fabriken in Slowenien. 1845 brannte sie bis auf die Außenmauern nieder. Damals floss so viel Zucker in die Ljublanica, dass ihr Wasser tagelang süß schmeckte, das Feuer brannte sich tief ins kollektive Gedächtnis ein. Danach war sie Tabak-, Textilfabrik, Militärbaracke, letzter Zufluchtsort für Gestrandete und Obdachlose. In den 1920er-Jahren lebten auch Dragotin Kette und Josip Murn hier, zwei Dichter der slowenischen Moderne, die einen Bauerndialekt zur Kultursprache transformierten.