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Virginia Cowles' Bestseller „Looking for Trouble“ wurde 1944 unter dem Titel „Ladies Courageous“ verfilmt. Im Bild die drei Hauptfiguren als Pilotinnen.
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Neuerscheinungen

Zwei Journalistinnen und das Who's who der großen Weltpolitik

Erinnerungsbände, die es in sich haben. Zwei der bedeutendsten Journalistinnen der vergangenen 100 Jahre, Virginia Cowles und Hella Pick, sind mit ihren Lebenserinnerungen neu auf dem Buchmarkt. Große Politik, hautnah und intensiv.

Acht Monate nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, im März 1937, ging Virginia Cowles, eine 27-jährige freiberufliche Journalistin aus Vermont, die auf Gesellschaftsklatsch spezialisiert war, mit einer kühnen Idee zu ihrem Chefredakteur. Sie wollte nach Spanien gehen, um über beide Seiten der Feindseligkeiten zu berichten. So machte sie sich auf nach Europa. Mit Schreibmaschine, Stöckelschuhen und einem Pelzmantel über dem maßgeschneiderten Kostüm kam sie in Madrid an. Ihre Qualifikation nach eigenen Worten: Neugier. Die hatte sie im Überfluss. „Ich kannte niemanden in Spanien und hatte nicht die geringste Ahnung, wie man einen solchen Auftrag angeht“, erklärt sie unschuldig auf den ersten Seiten ihres Erinnerungsbuchs „Looking for Trouble“, einem Bestseller des Jahres 1941.

In den vier Jahren zwischen ihrer Ankunft in Spanien und dem Erscheinen des Buchs reiste sie durch ganz Europa, sie wagte sich an die Front und duckte sich, um den Kugeln auszuweichen, die über ihr „wie wütende Wespen“ zischten. Sie traf in Madrid „einen massigen Mann mit rötlichen Wangen, der in einer schmutzigen braunen Hose und einem zerrissenen blauen Hemd herumlief“: Ernest Hemingway. Sie liebte England und wunderte sich über London. Sie war dort offenbar, genauso wie zuvor in Madrid, falsch angezogen und jammerte über das Fehlen einer Zentralheizung, den Nebel und den Linksverkehr.

Ein Grünschnabel. Der britische Premier David Lloyd George zitierte einen Spanien-Artikel von ihr, der ohne Namensangabe in der „Sunday Times“ erschienen war, im Parlament und lud daraufhin den Autor zum Mittagessen in sein Landhaus ein. „Als ich aus dem Wagen stieg, sah mich der alte Herr mit einem Ausdruck der Überraschung an, der fast schon an Verärgerung grenzte“, schrieb Virginia Cowles. „Vermutlich war es ein unangenehmer Schock für ihn, herauszufinden, dass es sich bei der Autorität, die er da zitiert hatte, in Wirklichkeit um eine junge Frau, einen Grünschnabel, handelte.“