Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Am Herd

Sorry, Masken sind jetzt „unsere Kultur“ 

Vielleicht sollten wir die Raucherabteile wieder einführen. Nur diesmal halt für die Menschen mit Maske. Etwa in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Flugzeug.

Für die Jüngeren unter uns: Früher durfte im Flugzeug geraucht werden. Und zwar, wenn ich mich recht erinnere, in den hinteren Reihen. Während unter mir die Bergketten vorbeizogen und die Stewardess, die damals noch nicht Flugbegleiterin hieß, Bloody Marys verteilte, sog ich an meiner Zigarette, die Luft war dick, die Schwaden waberten über die Sitzreihen hinweg, und ich war zufrieden, ja glücklich, nicht wegen der Bergketten und auch nicht, weil ich den Akt des Rauchens genossen hätte: sondern weil meine Sucht gestillt worden war, zumindest für den Moment. Der übrigens etwa 40 Minuten dauerte. Dann meldete sich die Sucht zurück wie eine penetrant maunzende Hauskatze. Die ist auch nicht ruhig, wenn man ihr sagt: Aber du hast doch gerade erst gefressen!

Neulich bin ich nach Tel Aviv geflogen. Und ich habe wieder die letzte Reihe gebucht. Nein, nicht der alten Zeiten wegen, nach denen sehne ich mich sehr selten zurück, vielmehr passte ich mich damit den neuen Zeiten an: In der letzten Reihe kann mir nämlich niemand in den Nacken husten. Und während ich keine Bloody Mary trank, weil die nämlich nicht mehr gratis ist, während oben nostalgisch das Nichtraucherzeichen leuchtete, unten mein Kindle sein sanftes Licht spendete und die Viren durchs Flugzeug streunten, fühlte ich mich einigermaßen sicher: Noch wohler wäre mir nur gewesen, hätten die Passagiere vor und neben mir auch Maske getragen.