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Konzerthaus

Enttäuschung aus Oslo: Tschaikowsky im altmodischen Gewand

Oslo Philharmonic unter Klaus Mäkelä im Wiener Konzerthaus: viel Jubel, aber auch unerfüllte Erwartungen.

Mariss Jansons war der bisher bedeutendste Chefdirigent von Oslo Philharmonic. In langer, zäher Arbeit formte er aus einem Mittelklasseorchester einen Klangkörper von Weltformat. Vor allem mit ihrem Tschaikowsky-Zyklus haben Jansons und seine Osloer Interpretationsgeschichte geschrieben. Auch weil sie damit das landläufige Bild eines in Sentiment badenden, auf billigen Effekt zielenden Komponisten korrigierten.

So staunte man sehr, als Oslo Philharmonic unter seinem jetzigen Musikchef Klaus Mäkelä bei Tschaikowskys Sechster, der „Pathétique“, just diese frühere Tschaikowsky-Tradition wieder aufgriffen. Mit ungezügeltem, von kräftiger Dynamik begleiteten Elan ließ Mäkelä seine Musiker bereits durch den Stirnsatz stürmen, als gelte es einen Tornado zu zähmen, dessen man letztlich doch nicht Herr wird. Nach einem solchen Parforceritt konnte sich nicht die Ruhe einstellen, um die wehmütige Walzer-Atmosphäre des zweiten Satzes überzeugend zu vermitteln. Dass Tschaikowsky ihn Allegro con grazia nannte, war nur in Ansätzen erkennbar. Mit Verve stürzte sich Mäkelä ins anschließende Allegro molto vivace. Um diesen Abschnitte mit den von ihm angeschlagenen Tempo zu bewältigen, hätte es eines technisch besseren, präziseren, mit mehr Transparenz und Klangkultur aufwartenden Orchesters bedurft. Am deutlichsten wurden dessen klangliche Defizite im mit zu viel Pathos aufgeladenen Finalsatz der Pathétique, die vor Kurzem in einer viel spannenderen, differenzierteren Darstellung unter Currentzis im Konzerthaus zu hören war.