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Mein Dienstag

Ich wünsch' dir ein wunderschönes Leben

'Peter Hase' Premiere In Berlin
Jessica Schwarz bei einer Filmpremiere in Berlin. In Regisseur Pepe Danquarts „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ spielt sie die Hauptrolle.Getty Images for Sony Pictures
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„Was wäre, wenn“-Fantasien gehören zu den stärksten Filmmotiven. Meine Lieblingsgeschichte dreht sich um Jessica Schwarz und ihre zweite Chance.

Es gibt da diese Szene in dem Film „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ (2017). Gelangweilt von ihrem Leben und ihrer Ehe bekommt die Mittdreißigerin Kati (Jessica Schwarz) vom Schicksal so etwas wie eine zweite Chance. Sie wird an den Tag zurückkatapultiert, an dem sie vor einigen Jahren ihren späteren Mann Felix (Felix Klare) kennengelernt hat – bei einem harmlosen Unfall vor einem Krankenhaus. Kati nutzt die Chance, verhindert den Unfall und somit auch das Kennenlernen. „Ich wünsch' dir ein wunderschönes Leben“, sagt sie noch mit Tränen in den Augen, während sie aus ihrem Auto zusieht, wie Felix mit dem Fahrrad davonfährt.

Wer bei dieser Szene nicht sentimental wird, muss einem ganz besonderen Menschenschlag angehören. Einem Menschenschlag, mit dem ich hoffentlich nie in Berührung komme. Denn für mich ist diese Szene herzzerreißend. Die Wucht, mit der sie mich triggert, ist nicht von dieser Welt. So, wie Katis Entscheidung, die ich einfach nicht verstehe.

Wie kann man denn jemanden, in den man sich einst verliebt und den man geheiratet hat, einfach so wegfahren lassen? Was, wenn diese Person an jemanden gerät, der sie nicht zu schätzen weiß? Der ihre kleinen Macken und Marotten nicht als liebenswürdige Eigenheiten, sondern als Schwäche empfindet und gegen sie verwendet, um ihr das Gefühl zu geben, unvollkommen zu sein? Der Gaslighting betreibt, sie schlecht behandelt und unglücklich macht?

Wie können einem diese Gedanken nicht durch den Kopf gehen? Und wie kann man sie einfach ausblenden, um für einen Neustart eine Ausfahrt zu nehmen? Für mich ist Katis Entscheidung daher unverzeihlich.

Das Schicksal ist aber gnädiger als ich. Denn es sorgt dafür, dass Felix ihr trotzdem über den Weg läuft. Wieder und wieder. So lang, bis sie sich erneut in ihn verliebt. Diesmal mit der Erkenntnis, dass er die Liebe ihres Lebens ist und ihre Frustration andere Gründe gehabt hat. Die beiden kommen allen Ernstes wieder zusammen. Das ist Kino: Gnade vor Recht.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com