O - wie Oberhauser: Rauswurf als negativer Höhepunkt

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Medien. Alexander Wrabetz will sich trotz des Chaosjahres 2010 wieder als Generaldirektor aufstellen lassen.

Wien. Da waren's nur mehr zwei... Nur mehr zwei von sechs Direktoren aus der ursprünglichen Besetzung hat Alexander Wrabetz am Ende dieses für ihn sehr turbulenten Jahres behalten. Nach Auswechslungen (Richard Grasl statt Sissy Mayerhoffer, Karl Amon statt Willy Mitsche) und dem tragischen Tod von Technik-Direktor Peter Moosmann kam es im Oktober zum offenen Konflikt zwischen dem Generaldirektor und seinem Informationsdirektor Elmar Oberhauser.

Kern des Streits war die Neubesetzung des TV-Chefredakteurs. Oberhauser wollte Armin Wolf, Wrabetz entschied sich jedoch für Fritz Dittlbacher. Der Haken an der Sache war bloß, dass die SPÖ Dittlbacher förmlich „bestellt“ haben soll. Oberhauser wollte das so von SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas erfahren haben. Die stritt ein solches Gespräch ab. Oberhauser fühlte sich von Wrabetz' Personalentscheidung übergangen, noch dazu habe er auch die Bestellung des Hörfunk-Chefredakteurs aus der APA erfahren. In einem E-Mail an die ORF-Mitarbeiter erklärte er schließlich: „Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass ich mir meine engsten Mitarbeiter nicht selber aussuchen kann, und ich muss eingestehen, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, völlig unzulässige Einmischungen, in diesem Fall von der SPÖ, zu verhindern.“

Mit ungewöhnlicher Härte reagierte der sonst eher konfliktscheue Wrabetz auf dieses E-Mail und beurlaubte Oberhauser mit sofortiger Wirkung. Nach wochenlangen Verhandlungen um die finanziellen Konditionen von Oberhausers Abgang wurde der Vorarlberger, der 2011 sein 40.Dienstjubiläum hätte feiern können, vom Stiftungsrat abgewählt.

Pius Strobl sagt: „Es ist vorbei!“

Weil Wrabetz seit dem Tod von Moosmann und dem Abgang von „Elmo, dem Bären“ drei Direktorenposten auf sich vereint, begannen die Parlamentsparteien, über eine Vorverlegung der Neubestellung der ORF-Geschäftsführung im August 2011 zu diskutieren. Hierfür müsste das ORF-Gesetz geändert werden, das erst im Juni 2010 umfassend novelliert wurde. Die Wogen haben sich gegen Jahresende geglättet, derzeit sieht es nicht so aus, als ob die Parteien gemeinsam eine Vorverlegung beschließen würden. Wrabetz dürfte jedenfalls wieder antreten.

Beruflich Abschied nehmen musste Wrabetz heuer auch von seinem Sprecher Pius Strobl. Dieser war ausgerechnet bei jener Novembersitzung des Stiftungsrats, in der Oberhauser abgewählt wurde, mit einer ungeschickten „Abhöraktion“ aufgefallen, die für Unmut innerhalb der verbliebenen Direktorenrunde sorgte. Strobl entschied sich schließlich dafür, von sich aus seine Funktionen zurückzulegen, obwohl Wrabetz eisern zu ihm hielt. Strobls Hang zum Theatralischen bewies er mit einem SMS, in dem er Journalisten und ORF-Mitarbeiter mitten in der Nacht informierte: „Es ist vorbei!“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2010)

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