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Preise für Rohstoffe explodieren

(c) Bundesbank
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Der Kupferpreis ist auf einem Rekordhoch. Der Kampf um Metalle und Rohstoffe wird 2011 eines der wichtigsten Finanzthemen sein. Investoren können mit ihnen mehr Geld denn je verdienen.

Wien. So teuer war Kupfer noch nie. An der Rohstoffbörse London Metal Exchange ist der Preis für eine Tonne Kupfer zur Lieferung in drei Monaten um 102 Dollar auf 9447 Dollar gestiegen. Anleger, die in Rohstoffe und Metalle investiert sind, haben heuer kräftig verdient. Seit Jahresbeginn verteuerte sich Kupfer um mehr als 20 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass der Boom anhalten wird. „Solange die Konjunktur so weiterläuft, werden auch die Rohstoffpreise steigen“, sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Der Kampf um Rohstoffe dürfte 2011 eines der wichtigsten Finanz- und Wirtschaftsthemen werden. Eine Umfrage der Agentur Bloomberg bei mehr als 100 Händlern, Analysten und Investoren ergab, dass es vor allem mit Kupfer und Silber weiter aufwärtsgehen dürfte. Bei Kupfer prognostizieren die Experten einen durchschnittlichen Anstieg auf 10.475 Dollar. 2011 soll der Kupferverbrauch deutlich größer sein als das Angebot, daher werden die Lagerbestände sinken.

Der Preis für eine Unze Silber könnte sich 2011 nach Einschätzung von Analysten um 37 Prozent auf 40 Dollar verteuern. Silber kostete im Frühjahr noch 18 Dollar. Das Edelmetall wird in der Industrie verwendet und ist wegen des Wirtschaftsaufschwungs heiß begehrt. Banken, Pensionskassen und Hedgefonds haben das Potenzial längst erkannt. Sie spekulieren im großen Stil auf Rohstoffe.

Auch Mönche folgen bereits diesem Trend. Pater Anselm Grün, der für die Finanzen des Klosters Münsterschwarzach verantwortlich ist, hat zu Weihnachten erklärt, er investiere in „Rohstoffe jeder Art“.

Preiserhöhungen bei H&M

Zu den Verlierern gehören Verbraucher und Industrie. Die Modekette H&M deutete bereits Preiserhöhungen an, weil die Baumwollpreise nach Flutkatastrophen und schlechten Ernten den höchsten Stand seit 30 Jahren erreicht haben. Indien schränkte bereits seine Baumwollausfuhren ein. Russland verhängte nach den Waldbränden im Sommer ein Exportverbot für Getreide. China kündigte am Donnerstag an, die Exporte der für Hightech-Produkte notwendigen seltenen Erden im ersten Halbjahr 2011 um 35Prozent zu drosseln. Zu Wochenbeginn war ein Rückgang von nur zehn Prozent erwartet worden.

Damit will das kommunistische Regime in Peking die Belieferung der eigenen Industrie sichern. Bei den seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe von 17 Metallen, die für die Herstellung von Computern, Monitoren, DVD-Spielen, Handys, Flachbildschirmen und Hybrid-Autos unverzichtbar sind. China ist mit 97Prozent der größte Exporteur. Die EU, Japan und die USA drohen mit einer Klage vor der Welthandelsorganisation – davon lässt sich China jedoch nicht beeindrucken.

Spekulanten treiben die Preise

Der Bundesverband der Deutschen Industrie schlägt Alarm und verlangt von der EU-Kommission, auf die Erzeugerländer einzuwirken, damit diese die Handelshindernisse aufheben. Auch über Einschränkungen für Spekulanten wird laut nachgedacht. Denn viele Investmentfonds kaufen im großen Stil die begehrten Rohstoffe auf. Bei Weizen seien Spekulanten zu 70 Prozent für den Preisanstieg verantwortlich, kritisierte jüngst Josef Lutz, Chef des Agrarhandelskonzerns BayWa.

Nicht viel anders ist die Situation bei Kakao. Im Sommer hatte sich ein britischer Hedgefonds sieben Prozent der weltweiten Ernten von Kakaobohnen gesichert, um diese teuer an Schokoladeproduzenten weiterverkaufen zu können. Derzeit richten sich die Blicke auf die Elfenbeinküste. Dort wächst die Angst vor einem Bürgerkrieg. Das Land ist der weltweit größte Kakaoexporteur. Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo, der an der Macht bleiben will, kontrolliert den reichen Süden, wo sich die großen Kakaoplantagen befinden. Der Anteil der Elfenbeinküste am Kakaohandel liegt bei knapp 40 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2010)