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Pizzicato

Doskozils K.-u.-k.-Pläne

Beinahe 70 Jahre liegen Glanz und Gloria Österreichs und Ungarns im Fußball zurück. Was Ungarn als Vizeweltmeister und Österreich als Dritter 1954 in eine Melancholie stürzte, wäre heute eine Weltsensation.

Das wie Phönix aus der Asche des Zweiten Weltkriegs aufgestiegene Deutschland vereitelte bei der WM in der Schweiz einen Doppelerfolg der ehemaligen Zwillinge der Donaumonarchie. Was wäre das für ein Finale gewesen: Puskás und Hidegkuti gegen Happel und Hanappi. Heribert Meisel, legendärer Radiokommentator, wäre lang vor Cordoba narrisch geworden.

Als Fußball-Aficionado trägt Viktor Orbán Ungarns Erbe in sich und Groß-Ungarn im Herzen und im Hinterkopf. Als er beim Freundschaftsspiel Ungarn gegen Griechenland einen Fan-Schal in den Konturen des magyarischen Imperiums von 1920 um die stolzgeschwellte Brust schlang, fehlte nicht viel zur Staatsaffäre.

Die Nachbarn waren alles andere als amüsiert. Nur Hans Peter Doskozil hielt sich vornehm zurück. Vielleicht führt Burgenlands Zampano Großmachtpläne im Schilde, falls es mit dem Putsch in der SPÖ nicht klappen sollte. Eine Fusion Burgenlands mit Orbáns Ungarn – und fußballerisch wären die K.-u.-k.-Erben in umgekehrten Rollen mit von der Partie. Irgendwann müsste König Dosko halt Kaiser Viktor, den Viktator, wegbeißen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2022)