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Ausstellung

Wie The Otolith Group mit Erwartungen spielt

London. The Otolith Group bezieht sich im Film aus 2022 auch auf Krisen in ihrer Stadt.
London. The Otolith Group bezieht sich im Film aus 2022 auch auf Krisen in ihrer Stadt.Courtesy of the Artist
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Das Londoner Kollektiv The Otolith Group setzt sich bei zwei Solo-Schauen filmisch mit Persönlichkeiten der Schwarzen Kunst und Kultur auseinander.

Die ghanaisch-britische Malerin Lynette Yiadom-Boakye trägt in ihrem Londoner Studio Ölfarbe auf die Leinwand auf. Eine Kamera beobachtet sie. Die so entstandenen Bewegtbilder, gefilmt von The Otolith Group, könnten auf den ersten Blick ein simples Porträt einer Schwarzen Künstlerin sein, die selbst porträtiert, in westlicher Malereitradition imaginäre Schwarze Menschen malt. Allerdings: Man sieht sie vor allem von hinten, das Bild bleibt fragmentarisch. Auf den zweiten Blick ist es so „ein Spiel mit Zeigen und Nichtzeigen, mit Erwartungshaltungen bei Formaten und einem Künstlerinnenporträt“, sagt Bettina Spörr, Kuratorin der Secession und verantwortlich für die erste Solo-Ausstellung der Gruppe in Wien, wo der Film „What the Owl Knows“ erstmals präsentiert wird.

Vielschichtige Kritik

Otolithen: Das sind winzige Steinchen im Innenohr. Sie helfen, den Körper im Gleichgewicht zu halten und uns im Raum zu orientieren, verursachen Schwindel, wenn sie sich lösen. Und sind Namensgeber für dieses Kollektiv aus London, das seit zwanzig Jahren vielschichtige Arbeiten umsetzt. Die Köpfe hinter The Otolith Group sind Sozialanthropologin Anjalika Sagar und Autor und Theoretiker Kodwo Eshun. Das Duo hat die Ohrkristalle als Metapher für ihre oft forschungsbasierte und in allerlei Richtungen offene Kunstpraxis genommen, die sich der einfachen Einordnung verweigert – destabilisiert und hinterfragt, über Neuausrichtungen spekuliert.