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Pizzicato

Hört's doch auf mit dem „kurz“!

Nehmts' Eich Zeit, Leit - und entschuldigt's Eich net dauernd dafür.Clemens Fabry
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Dauernd entschuldigen sich Menschen, weil sie - kurz - auf einen Kaffee gehen, Essen holen oder zur Apotheke müssen. So als solle man sich etwas vorwerfen deswegen, als tue man etwas Unziemliches.

Gerade ist's schon wieder einmal gefallen, dieses Wort. „Gemma kurz auf an Kaffee", sagte eine Kollegin in der Redaktion zu einer anderen. Aaah! Wieso „kurz"? Gehts doch einfach auf an Kaffee und nehmts euch Zeit!

Dieses doofe Wörtchen „kurz" fällt oft und in ähnlichen Zusammenhängen: „Ich geh kurz zum Spar", heißt es, wenn sich jemand von der Arbeit weg einen Imbiss holt. „Ich geh kurz essen", wenn man sich mehr traut, als coram publico im Büro zu jausnen, um Präsenz zu heucheln. „Ich muss kurz telefonieren."„Ich muss kurz an die frische Luft."„Ich muss kurz zur Bank."„Ich muss kurz zur Apotheke."„Ich muss kurz weg, den Buben vom Kindergarten holen."„Ich muss kurz aufs Klo."„Hast kurz Zeit, ich muss dich was fragen."

Noch mal: Wieso immer dieses „kurz"? (Oder „schnell", „gschwind"...) Es sind nur vier Buchstaben, aber es klingt wie eine lakaienhafte Bitte um Nachsicht, ein Ausdruck verschämter Unsicherheit, ein Buckeln. So als müsse man sich etwas vorwerfen, als tue man etwas Unziemliches und wolle sich dafür entschuldigen, dass man etwas zu essen holt oder das Kind vom Kindergarten. Und wenn man's schon macht, dann eben möglichst schnell, man will ja bitte keine Umstände machen, oder? Okay: Sicher schwingt auch Höflichkeit mit. Aber man muss doch trotzdem nicht mit so einem Dauerbuckel töricht durchs Leben tapsen.

Oder wollen Sie etwa nur kurz Zeit haben für das Leben? Es ist ja eh so kurz. Aber genau darum sollte man der Zeit Zeit lassen. (wg)

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