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Nachruf

Der große Umdenker: Hans Magnus Enzensberger ist tot

Hans Magnus Enzensberger
„Ich gehöre nicht zu euch und nicht zu uns“; Ein tiefes Misstrauen gegen das Kollektiv prägte Enzensbergers Denken.(c) Anna Weise / SZ-Photo / picturedesk.com (Anna Weise)
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Er begleitete Revolutionäre, bedichtete das Titanic-Schicksal linker Utopien und hielt nichts von Gesinnungsdruck: Zum Tod des Parade-Intellektuellen der deutschen 68er.

Er schmeiße nicht gern mit Bekenntnissen um sich, sagte Enzensberger einmal. „Bekenntnissen ziehe ich Argumente vor. Zweifel sind mir lieber als Sentiments. Widerspruchsfreie Weltbilder brauche ich nicht. Im Zweifelsfall entscheidet die Wirklichkeit.“ Wie gerne würde man solche Sätze öfters hören oder lesen in Zeiten, wo das eigene Weltverhältnis in ein Schlagwort passen muss und schlichte Bekenntnisse „für“ oder „gegen“ so wichtig werden wie früher das rote oder schwarze Parteibücherl. Hans Magnus Enzensberger, der mit 93 Jahren verstorbene einstige 68er-Parade-Intellektuelle Deutschlands, stellte dagegen sein „Ich gehöre nicht zu euch und nicht zu uns“.

Unzuverlässig fanden ihn deshalb viele. Weil er, der mit seinen Gedichten, Essays und seiner Zeitschrift „Kursbuch“ von der Studentenbewegung als intellektuelle Leitfigur gesehen wurde, sich nicht eindeutig solidarisierte; weil er zwar immer wieder bei neuen Bewegungen zur Stelle war, dabei aber stets kritische Distanz wahrte – etwa zur Außerparlamentarischen Oppositions- und Studentenbewegung (APO).