Wenn der Innsbrucker Immobilen-Tycoon René Benko Häuser kauft, macht er das nicht auf dem Spielfeld. Er krempelt lieber gleich die echte Wiener Innenstadt um. Seine Philosophie: Nachhaltige Investments – nachhaltige Gewinne.
Mit Kleinigkeiten hält er sich gar nicht erst auf. „Ich will nicht den Wert einzelner Häuser, sondern gleich den eines ganzen Viertels steigern“, sagt René Benko. Eine Ansage, mit der der Innsbrucker Immobilien-Tycoon sein Engagement in der Wiener Innenstadt betreibt, wo er im Stadtbild mehr verändert, als es Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel oder Bürgermeister Michael Häupl je könnten.
Würde man eine Analogie zum Brettspiel Monopoly oder der österreichischen Variante DKT ziehen, müsste man Benko als einen der erfolgreichsten Spieler betrachten. Er hat die wichtigsten Felder besetzt und die besten Häuser gekauft. Ihm gehört das Gebäude, in dem der Meinl am Graben residiert. Er hat die ehemalige Zentrale der Länderbank Am Hof gekauft. Ihm gehört das Bawag-Gebäude auf der Tuchlauben – inklusive Penthouse, in dem noch bis vor Kurzem Helmut Elsners Ehefrau Ruth wohnte.
Zum Drüberstreuen übernahm er im Mai 2010 auch noch den IZD Tower, den größten Büroturm auf der Donauplatte nahe der Uno-City. Um 212 Millionen Euro – ein Schnäppchen, schließlich musste der vorherige Besitzer, der britische Fonds Matrix, im Jahr 2006 noch 247 Millionen Euro dafür ablegen. „Mit dem IZDTower haben wir ein weiteres Trophy Asset in der Bundeshauptstadt Wien zu einem sehr attraktiven Preis erworben“, kommentierte Benko den „günstigen“ Kauf.
Drei Milliarden in Immobilien. In Zeiten kaufen, in denen sich andere schwertun, um dann langfristig den Wert zu steigern. Gerade in Zeiten der Krise können so Gebäude erworben werden, die zuvor über Jahrzehnte nicht den Besitzer gewechselt haben. Mit dieser Strategie hat Benkos Signa-Gruppe mittlerweile ein Immobilienvermögen von drei Milliarden Euro aufgebaut, eine Milliarde davon in der Wiener Innenstadt. Und wenig überraschend will er dafür sorgen, dass sich seine Investitionen auch rechnen.
Die ehemalige Länderbank-Zentrale wird zum Luxushotel. Wo früher die Bawag residierte, entsteht ein Shoppingcenter, in das noble und teure Geschäfte einziehen sollen. Beide Gebäudekomplexe sollen auch noch miteinander verbunden werden. Und damit gleich das ganze Gebiet aufgewertet wird, möchte er auch noch Bogner- und Seitzergasse zu Fußgängerzonen umwidmen lassen. Auf diese Weise soll gleich das ganze Viertel – eigentlich ein Dreieck zwischen Kohlmarkt, Tuchlauben und Freyung – aufgewertet werden. Noch mehr aufgewertet, schließlich gilt dieser Bereich ohnehin schon lange als goldenes Dreieck.
Dass ein solcher Plan funktionieren kann, das hat der 32-jährige Tiroler schon in seiner Heimatstadt Innsbruck bewiesen. Dort schaffte er es, das Kaufhaus Tyrol, an dessen Wiederbelebung große Immobiliengesellschaften lange gescheitert waren, spektakulär neu aufzuziehen. Nach und nach kaufte er umliegende Gebäude auf und erweiterte damit die ursprünglich vorhandene Nutzfläche von 20.000 auf 33.000 Quadratmeter. Das Kaufhaus und sein Umfeld lebten auf – und trotz Investitionen von 155 Millionen Euro dürfte Benko hier gute Renditen erzielen. Denn mit der Aufwertung der Gegend steigt auch der Wert der Gebäude, die der Signa Holding gehören.
Ein ähnliches Konzept schwebt ihm nun für Wien vor. Als „Place Vendôme von Wien“ sieht er schon den Platz Am Hof. Mit Luxusgeschäften in den alten Häusern mit ihrer Barockfassade, deren Glanz bis zur Fußgängerzone am Graben ausstrahlen soll. Damit kann man all den interessierten Luxusmarken hohe Mieten abverlangen – und irgendwann vielleicht die Immobilien mit hohem Gewinn verkaufen.
Nachhaltige Investments – nachhaltige Gewinne. Das ist Benkos Unternehmensphilosophie. Und damit scheint er auf dem richtigen Weg zu sein. „Ich habe noch nie einen Cent mit Immobilien verloren“, meint er selbstbewusst. Das war schon so, als er mit 18 Jahren die Schule abbrach, um gemeinsam mit Freunden in Innsbruck Dachböden auszubauen. Und das will er auch weiter so halten. Mit neuen Projekten, die er in Deutschland, Italien und Osteuropa aufziehen möchte. Und natürlich in Wien, wo er das Bild der Innenstadt nachhaltig verändern will. Klar, mit Kleinigkeiten hält er sich gar nicht erst auf.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2011)