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Quergeschrieben

Hayek, die Sozialdemokraten und die „Schacher-Demokratie“

Der Nobelpreisträger stehe für eine „unmenschliche Wissenschaft“, hetzte die „Arbeiterzeitung“ 1974. Jetzt stellte ihn Jörg Leichtfried an den Pranger.

Friedrich August von Hayek (1899–1992) hat die Sozialdemokraten immer schon besser verstanden als sie ihn. Er hielt ihnen zugute, dass sie aus Rücksicht auf ihre demokratischen Ideale darauf verzichtet hatten, den Sozialismus mit Gewalt durchzusetzen. Seinen „Weg zur Knechtschaft“ (1944) widmete er nicht nur ihnen, sondern den „Sozialisten in allen Parteien“, denn nicht nur Linke treten für die Gängelung der Wirtschaft ein. Wenn es um die Bedienung der eigenen Klientel geht, verschwimmen die Unterschiede zwischen rot und blau, schwarz/türkis, grün und pink. Weniger differenziert urteilen Sozialdemokraten über Hayek. Als er 1974 den Nobelpreis erhielt, schrieb das SPÖ-Zentralorgan „Arbeiterzeitung“, man habe eine „unmenschliche Wissenschaft“ ausgezeichnet, „die Massenarbeitslosigkeit braucht, um die Inflation zu bekämpfen“. Für Jörg Leichtfried (SPÖ) war Hayek „ein neoliberaler demokratiefeindlicher Ökonom mit Nähe zu Pinochet“. Diese „Nähe“ beschränkte sich darauf, den Diktator für die marktwirtschaftlichen Reformen zu gewinnen, die das Ende des Pinochet-Regimes beschleunigen sollten. Dem Vernehmen nach soll es ehemalige sozialdemokratische Spitzenpolitiker geben, die ihre Dienste aus reiner Gier an Diktatoren verkaufen.

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Interessanter ist, wie Hayek zur Demokratie stand. Man könne nicht länger darüber hinwegsehen, dass immer mehr Menschen ihren Glauben an die Demokratie verlören, schrieb er in „Recht, Gesetz und Freiheit“ (1973). Ursprünglich sollte sie absolute Macht beschränken, doch allmählich habe sie sich selber in eine tendenziell totalitäre Regierungsform verwandelt.


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