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Kritik

„The Bastard Son & the Devil Himself": Was für eine zauberhaft brutale Serie!

Annalise (Nadia Parkes) und Nathan (Jay Lycurgo) fliehen nach einem blutigen Zwischenfall gemeinsam(c) Netflix (Teddy Cavendish)
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In der britischen Netflix-Serie „Half Bad“ spritzt das Blut und steigt die sexuelle Spannung.

Es ist ein bisschen verwirrend, denn diese Coming-of-Age-Fantasy-Serie hat einen kurzen Titel und einen langen: „Half Blood“, wie die vielübersetzte Buchvorlage von Sally Green, und dann den schrägeren, der mehr im Kopf bleibt, „The Bastard Son and the Devil Himself". Der „Bastard Son“ ist 16 Jahre alt, heißt Nathan (Jay Lycurgo) und ist der Sohn des meistgefürchteten Hexers dieser magischen Welt, in der Krieg herrscht zwischen Arten von Zauberern, den „blood witches“ und „fairborn witches“. Sein Vater Marcus, Sorte Blut, kam einst zu einer Friedensverhandlung zwischen den beiden Parteien, verwandelte sich in einen Wolf, schlachtete alle Fairborns ab und fraß ihre Herzen – sodass deren magische Talente auf ihn übergingen.

Kein Wunder, dass Nathan nicht sonderlich beliebt ist bei den Fairborn-Hexen. Zwar schärft ihm seine Großmutter, bei der er aufwächst, stets ein: Du bist nicht dein Vater. Doch seine Schwester Jessica (diabolisch: Isobel Jesper Jones) lässt keine Gelegenheit aus, ihn spüren zu lassen, wie sehr sie ihn für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht und wie inbrünstig sie ihn hasst. Auch die Neue an seiner Schule, Annalise (Nadia Parkes), Tochter eines Ober-Fairborn-Zauberers, soll sich von ihm fernhalten. Warum? „Evil Dad“, so ihre lakonische Antwort. Mit einem Ober-Bösewicht als Vater ist Abnabelung eine besondere Herausforderung.

Ein verstörend ästhetischer Moment

Annalise und Nathan werden trotzdem Freunde. Und mehr. Und spätestens nach einem Zwischenfall müssen sie gemeinsam fliehen: Im Fairborn-Hauptquartier wird ein Wachmann vor ihren Augen in seine Einzelteile zerlegt. Fein säuberlich getrennt schweben Inneres und Äußeres in der Luft, Kleidung, Organe, Knochen, ehe sie mit einem Platsch auf dem Boden landen und Nathan und Annalise das Blut ins Gesicht spritzt. Ein verstörend ästhetischer Moment in der Serie, in der das Special-Effects-Team Herausragendes leistet.

Fantasy-Serien tun sich oft schwer damit, ihre inneren Logiken lange und umständlich erklären zu müssen (etwa in gestelzten Dialogen). Dieser Netflix-Serie gelingt es, sie leichtfüßig nebenbei zu erzählen, was dem Drehbuchautor zu verdanken sein dürfte: Joe Barton adaptierte zuvor die Sci-Fi-Thriller-Vorlage „The Lazarus Project“ sehr erfolgreich fürs Fernsehen und ist „as hot right now as TV writers get“, wie der „Guardian“ konstatiert.

Eine der Hauptfiguren stößt erst in Folge drei dazu: Emilien Vekemans als Gabriel(c) Netflix (Teddy Cavendish)

In „The Bastard Son and the Devil Himself" gibt er der Geschichte Wendungen, wenn sie Gefahr läuft, zu linear zu werden. Statt auf ausgetretenen Pfaden landen Nathan und Annalise etwa in einer schummrigen Kellerbar in Paris und trinken Cognac. Eine der Hauptfiguren stößt überhaupt erst in Folge drei dazu: Mit dem unangestrengt coolen Gabriel (Emilien Vekemans) weitet sich das Duo zum Trio, auch hinsichtlich der sexuellen Spannung. Er verleiht der Serie eine humoristische Note, während in der zunehmend rasanten Story die Zahl der Toten bedenklich steigt. Bei den Nebenfiguren glänzen Karen Connell als abgeklärte Kämpferin Ceelia und Musikerin Róisín Murphy (Moloko) mit einem Gastauftritt in einem traumhaft schönen Schweizer Chalet.

Eine großartige kleine Serie, die eine zweite Staffel verdient hätte. Material gäbe es genug. „Half Bad“ ist Auftakt einer Trilogie. „Half Lost“ und „Half Wild“ heißen die anderen Bände. Sie könnten längere, schrägere Titel vertragen.

Ein Trio mit sexueller Spannung(c) Netflix

„Half Bad: The Bastard Son and the Devil Himself“, acht Folgen, auf Netflix